Wie wird man eigentlich Gutachter für Design?

Jochen Hommen-Becker

Jochen Hommen-Becker ist frisch gebackener Gutachter für Design. Der Designer (Jahrgang 1962) studierte bis 1989 visuelle Kommunikation an der FH Düsseldorf, bis 1995 bei H. F. & P., Agentur für Kommunikation, Düsseldorf, anschließend als Art Director bei BBDO in Köln. Seit 1996 ist er selbstständiger Designer mit eigenem Büro. Hommen-Becker arbeitet für u.a.: Continental AG, Klöckner & Co SE, Hydro Aluminium Deutschland GmbH, Aon Holding Deutschland GmbH, Sonepar Deutschland GmbH, Axa Investments Managers Deutschland GmbH, Inter Versicherungsgruppe. Jochen Hommen-Becker ist BDG-Designer seit 2001.

Ab wann wird ein Gutachter für Design zu einem Fall hinzugezogen?
Ein Sachverständiger wird immer dann hinzugezogen, wenn Zwei sich streiten und keine der Parteien ein entsprechendes Fachwissen besitzt, das zur Lösung des Streits führt. Dieser Fall muss nicht zwangsläufig ein Gerichtsverfahren sein, sondern kann auch im privaten Bereich zur Klärung eines Sachverhalts angesiedelt sein. Der Sachverständige wird dabei durch eine oder auch beide streitenden Parteien beauftragt. Der Sachverständige kann natürlich auch durch ein Gericht hinzugezogen werden, wenn die beiden Parteien sich bereits im Gerichtsverfahren befinden.

Im Bereich Design gibt es die unterschiedlichsten Fälle, bei denen der Sachverständige Fragen per Gutachten klärt. So beispielsweise bei Autoren-/Künstlerangelegenheiten wie z.B. die Feststellung der Künstlereigenschaft, die Feststellung der künstlerischen Gestaltungshöhe oder der eigenschöpferischen Leistungen, die Abgrenzung künstlerischer und gewerblicher Arbeit. Aber auch in designeigenen Fragen zu Konzeption und Visualisierung wie z.B. Layout, Gestaltung, Logoentwicklung, Webdesign, VKF-Maßnahmen, Präsentationen, Fotos, Corporate Identity/Corporate Design etc. kann ein Sachverständiger zur Klärung hinzugezogen werden. Ebenso sind Urheberrechtsfragen wie Ideenklau, Doppelschöpfung, Fälschung, Plagiat, Manipulation, schutzfähige und genehmigungspflichtige Bearbeitung oder die Bewertungen von marktüblichen Lizenzvergütungen, Copyright- und Nutzungshonoraren Felder für die Gutachtenerstellung. Und natürlich nicht zu vergessen: Klärung von Sachverhalten im weiten Bereich der Umsetzung und Produktion wie Druckvorlagen/Lithos/Scans/digitale Bildbearbeitung, Webseitenumsetzung, Qualitätsbeurteilung, Kostenbewertung, Produktionsfehler/Beschädigung/Mängel, Offset- und Siebdruck.

Worüber befinden Gutachter, die von Gerichten bestellt werden?
Sachverständige befinden ausschließlich über Sachverhalte. Hierzu stellt das Gericht dem Sachverständigen sogenannte Beweisfragen, die sehr unterschiedlich ausfallen können. Das Gericht fordert den Sachverständigen auf, im Rahmen der Beweisfrage/n bestimmte Themen zu erläutern und darzustellen und sein fachliches Urteil abzugeben. Die Beantwortung der Beweisfrage muss immer unparteiisch erfolgen – selbst in einem Privatgutachten, dass dann zu Lasten des Auftraggebers ausfallen wird. Der Sachverständige darf bei Gericht wie auch bei Privatgutachten unter keinen Umständen Rechtsfragen beurteilen oder gar beantworten.

Was muss ein Gutachter können, was muss er wissen?
Er muss vor allem einen hohen Sachverstand zu seinem Berufsfeld mitbringen, in dem er als Sachverständiger Gutachten erstellen möchte. Da hilft natürlich eine längere Tätigkeit im Berufsfeld und damit Erfahrung. Er muss wissen, wovon er spricht. Und er muss in der Lage sein, Dritten dieses zum Teil komplexe Fachwissen möglichst einfach und eindeutig darzustellen, um so zur Klärung des Sachverhalts beizutragen.

Daneben muss dem Sachverständigen klar sein, dass er sich zum Teil – gerade bei Gerichtsgutachten – mit trockenen Gerichtsakten und -gesetzen und natürlich Richtern und Parteien auseinander setzen wird, die keinen oder geringen Sachverstand haben. Das liegt nicht unbedingt jedem kreativen Kopf. Der Sachverständige sollte Spaß am Schreiben und Formulieren haben. Gutachten sind grundsätzlich schriftlich auszuführen. Wer ungern die Tastatur benutzt, um Worte und Sätze zu schreiben, die er sich ausdenkt, hat schlechte Karten.
Und der Sachverständige sollte aus meiner Sicht über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn verfügen – das ist zumindest mein Hauptantrieb.

Wie sind Sie zum Gutachter geworden?
Das war mehr Zufall als geplant. 2008 hatte ich eine klassische Steuerprüfung, bei der das Finanzamt zum Schluss kam, dass ich entgegen der bis dahin gültigen Praxis gewerbesteuerpflichtig sei und so folgerichtig Gewerbesteuer in nicht unerheblichen Maße nachzuzahlen hätte. Es halfen keinerlei sachliche Argumente wie vermittelnde Gespräche mit dem Finanzamt, sodass die Sache vor dem Finanzgericht endete. Zwei während des Verfahrens erstellte Gutachten sowie ein drittes vom Gericht beauftragtes Gutachten haben letztendlich zur finalen Klärung des Sachverhalts und zur Wiederherstellung des Status Quo 2012 gesorgt. Vier Jahre Verfahrensdauer sind eine lange Zeit, die sich nicht unbedingt positiv auf die eigene Kreativität auswirken.

Burkhard Marowski war der von mir damals beauftrage Sachverständige, ein Kollege aus der Düsseldorfer BDG-Gruppe. Ohne ihn wäre ich vielleicht heute nicht mehr als Designer tätig. Das Thema Sachverständiger und Gutachten hat mich ab 2012 weiter begleitet, da viele meiner Kollegen im Düsseldorfer Raum von den Finanzämtern gewerbesteuerpflichtig gemacht wurden. Auch Burkhard Marowski fragte mich immer wieder, ob das nicht auch etwas für mich wäre. Und als er Anfang 2014 beschloss, in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen, liess er nicht locker, bis ich versprach, in seine Fußstapfen zu treten.

Ein weiteres Argument war und ist, dass es nicht allzuviele Sachverständige in unserem Berufsfeld gibt. Sachverständige sind aber auch hier dringend notwendig. Und da ich selbst sehr wahrscheinlich ohne Sachverständige kein Recht bekommen hätte, möchte ich dem einen oder anderen Kollegen behilflich sein. Der Ausbildungsprozess ist schnell erklärt: über das IfS (Institut für Sachverständigenwesen) in Köln habe ich die notwendigen Grundkurse für die Tätigkeit als Sachverständiger erworben und werde sehen, ob die Praxis auch der Theorie gerecht wird.

Gibt es für den Bereich Kommunikationsdesign ausreichend fachkundige Kolleginnen und Kollegen? Welchen beruflichen Hintergrund muss ein Gutachter haben?
Es gibt im Gegensatz zu den klassischen Sachverständigenthemen wie KFZ und Bau nur eine sehr überschaubare Anzahl von Kollegen, die im Bereich des Kommunikationsdesign als Sachverständige tätig sind.

Der berufliche Hintergrund ist variabel. Wer als Sachverständiger tätig sein will, sollte eine hauptberufliche Tätigkeit im Bereich der Kommunikation als Hintergrund haben. Sei es als Kreativer oder Berater. Es gibt Kollegen und Kolleginnen, die ausgebildete Designer sind oder solche, die als Berater oder Juristen innerhalb der Branche tätig sind oder tätig waren. In jedem Fall sollte man die grundsätzlichen Abläufe und Entstehungsprozesse kennen.

Musikvideos immer, aber bloß keine Faxformulare!
Mario Gorniok-Lindenstruth ist neuer Referent für Motion Design

Foto: Kristian Barthen

Für die Twitterfreunde: Was sind deine drei unverzichtbaren Bestandteile eines gelungenen Clips?
Eine gute Story, eine gelungene Überraschung und eine wichtige Erkenntnis am Ende

Womit kann man einen Motion Designer in den Wahnsinn treiben?
Zu wenig Rechenpower

Welches sind Deine drei besten Lieblingsclips aller Zeiten?
Ich bin mit Musikfernsehen und Musikvideos groß geworden und mein erstes richtiges Motion Design Projekt war ebenfalls ein Musikvideo. Dafür bin ich also schwer zu begeistern. Das Genre schafft für mich einen optimalen Brückenschlag zwischen Kunst und Kommerz. Hier drei meiner Lieblingsclips:
Röyksopp – Remind me (by Ludovic Houplan & Hervé de Crécy)
Chemical Brothers – Star Guitar (by Michel Gondry)
Hermanos Inglesos – Wanderland (by Krystof Luyckx)

Was macht einen guten Motion Designer aus?
Ein gutes Gefühl für Gestaltung & Animation, Detailliebe und Offenheit für neue Techniken

Ein Traumprojekt, das Dir bislang noch keiner finanzieren wollte.
Musikvideos, Musikvideos, Musikvideos

Gibt es eigentlich irgendetwas, das Motion Designer nicht können?
Ein Faxformular gestalten (da müssten wir erstmal wieder die DIN Norm raussuchen)


Mario Gorniok-Lindenstruth, Referent für Motion Design im BDG

Studierter Dipl. Des. in Kommunikationsdesign, und gerade im Abschluss seines zweiten, postgradualem Masterstudiums (Leadership in Digitaler Kommunikation) an der UdK Berlin. Agenturerfahrung als Art Director in der Digital- und Werbebranche, seit über 3 Jahren selbstständiger Motion Designer. Vielfältig interessiert an Gestaltung, Bewegtbild und analogem, sowie digitalem Leben. Seit einigen Jahren Lehrbeauftragter für Motion Graphic Design an verschiedenen Hochschulen, und seit kurzem auch als freier Coach in diesem Bereich. Nicht zuletzt auch Familienvater und Ehemann.

Mario Gorniok-Lindenstruth»Ich freue mich, zusammen mit dem BDG, das Thema Motion Design einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen zu können. Aber auch unter Designer-Kollegen die Relevanz einer Organisierung, wie der BDG Mitgliedschaft, zu kultivieren.«
Foto: Kristian Barthen

 

 


 

Unternehmenstypen im Kommunikationsdesign
Vortrag von Jakob Maser in Düsseldorf

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Für viele Auftraggeber gleicht die Zusammenarbeit mit Kreativen oft einer Expedition ins Ungewisse. Konfrontiert mit merkwürdigen Verhaltensweisen und unerwarteten Kommunikationsschwierigkeiten sind Missverständnisse programmiert.

Der Vortrag Unternehmenstypen im Kommunikationsdesign – Das Bestiarium bietet auf unterhaltsame Art Hilfe zur Selbsthilfe, indem er die unterschiedlichen Designer-Spezies plastisch und humorvoll beschreibt. So können Designer ihr eigenes Verhalten gegenüber Auftraggebern reflektieren und nachhaltig verbessern.

Gemeinsam mit dem designertreff düsseldorf laden wir herzlich ein, sich mit uns auf eine Entdeckungsreise in den Dschungel der Designer zu begeben. Expeditionsleiter ist der BDG-Designer Jakob Maser, der sich als Berater bei der Agentur Heithoff & Companie auf die Vermittlung zwischen Auftraggeber und Team konzentriert.

Der Vortrag findet am 21.04.2015 im sogenannten Schulhaus der Werbeagentur GREY statt, das sich auf der Rückseite des Hauptgebäudes auf dem Platz der Ideen in Düsseldorf befindet. Einlass ist um ca. 19.00 Uhr. Der Vortrag beginnt um ca. 19.30 Uhr.

Bitte melden Sie ausschließlich über diesen Link an: http://bit.ly/anmeldung_vortrag_april2015

Da nur max. 70 Plätze zur Verfügung stehen, gilt bei der Anmeldung “First come, first served”. Anmeldeschluss ist der 20.04.2015.

Weitere Informationen zum designertreff düsseldorf finden Sie unter http://www.designertreff.net/

Infos zum Bestarium: http://bdg-designer.de/wissen/publikationen/das-bestiarium-unternehmenstypen-im-kommunikationsdesign/

Ratingagenturen beziehen Schriftwahl in Kriterienkatalog ein

(FILES) - Photo shows Standard & Poor's

Was Designer seit Jahren formulieren, findet nun endlich auch Einzug in die Finanzwelt. Die Ratingagentur Standard & Poor’s mit Sitz in New York hat laut Börsenkreisen die internen Kriterienkataloge zur Bewertung von Unternehmen und Staaten überarbeitet. Da der Erfolg von Unternehmen und Staaten laut S&P auffällig oft mit der Qualität der verwendeten Schriften korreliert, werde man ab dem 1.5.2015 sukzessive die typografische Qualität der Kommunikation bewerten, kategorisieren und in die Gesamtbewertung mit einbeziehen lassen. Man geht davon aus, dass bis 2017 alle Kataloge aktualisiert sein werden.

Der deutsche Schriftgestalter Erik Spiekermann wurde neben 15 anderen internationalen Experten in das sogenannte Type-Gremium (TG) berufen, dass sich fortan einmal im Quartal zur Bewertung zusammen setzen wird. Spiekermann hat sich bereits dafür stark machen können, dass alle Unternehmen, die die Schriftart Arial als Hausschrift im Einsatz haben, um eine ganze Note herabgestuft werden können, also z.B. von AAA auf AA+. Der Kongress reagierte offen, sieht aber kein allzu großes Potenzial in dieser Aktion. Dennoch verweisen die Gesetze der USA weiterhin auf die Arbeit der Ratingagenturen.

 

Schick deine Freunde zur CXI_15

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Bereits zum siebten Mal treffen sich dieses Jahr Experten aus Unternehmen und Agenturen zur größten deutschsprachigen Corporate-Identity-Konferenz CXI. Die Veranstaltung findet am 10. Juni 2015 in der Stadthalle Bielefeld statt und richtet sich an Profis wie Studenten aus Gestaltung und Marketing.

Denn Agenturen und Unternehmen präsentieren auf der CXI_15 gemeinsam ihr jeweiliges Projekt. Dadurch ergeben sich direkte Einblicke in Arbeitsabläufe. Was macht den Er­folg ei­nes CI-​​Projektes aus? Wel­ches sind die Kri­te­rien auf Auf­trag­ge­ber– und Agen­tur­seite? Und wie lässt sich solch ein kom­ple­xer Pro­zess er­folg­reich durch­set­zen?

Das Programm mit den Teilnehmer-Paaren findet ihr hier.

Wir verlosen nach dem Motto „#Wissen fürs #Netzwerk“ zwei Profi-Tickets unter allen, die uns einen Kommentar hinterlassen. Der Clou dabei ist, dass ihr nicht euch selbst ins Rennen schickt, sondern uns schreibt, welchem Kollegen, welcher Kollegin ihr das Ticket gönnt – vorausgesetzt er oder sie will zur Konferenz und ist mit der Nominierung einverstanden. Natürlich dürft ihr auch mehrere Freunde mit eurem Kommentar in den Lostopf befördern.

Die beiden Karten werden am 14. April 2015 unter allen genannten Namen verlost. Wir werden den jeweiligen Gönner per Email informieren, so dass er den Kontakt zu „seinem“ Gewinner herstellen kann.

Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Viel Glück!


GEWONNEN haben Marcel Brüning und Janina Lermer. Herzlichen Glückwunsch!