Kommunikationsdesigner zwischen Mittelklasse und Existenzminimum: Der BDG Honorar- und Gehaltsreport 2012

Porsche oder Pedale, Party oder Pleite, Platin oder Plastik? Irgendwo dazwischen leben die Designer. Reichtümer häufen die wenigsten an. Immerhin knapp zwei Drittel der Teilnehmer an der BDG-Umfrage zu Honoraren und Gehältern im Kommunikationsdesign kommt mit ihrem Einkommen zurecht. Der alarmierende Rest – und das ist gut ein Drittel – gibt an, nur schlecht oder gar nicht von ihrem Einkommen leben zu können. So erklärt jeder siebte unter den selbständigen Designern, ein jährliches Einkommen von weniger als 10.000 Euro zu erzielen.

Seit Jahren schon wachsen die Umsätze in der Kreativwirtschaft. Die Designwirtschaft erzielt einen beeindruckenden Umsatz von jährlich 19 Mrd. Euro. Und doch kann die Branche offenbar nur einen Teil ihrer Mitglieder ausreichend ernähren. Entsprechend groß ist die Unsicherheit selbst unter Designern, die mit ihren Gehältern und Honoraren zurechtkommen. Nur einer von sieben selbständigen Designern sieht einer Familiengründung gelassen entgegen, unter den angestellten Designern ist es sogar nur einer von zwanzig. Mehr als ein Drittel kann sich aus finanziellen Gründen gar nicht vorstellen, eine Familie zu gründen. Jeder fünfte Teilnehmer gibt zudem an, kein Geld für Weiterbildungsmaßnahmen zu haben.

Bereits zum zweiten Mal hat der BDG Berufsverband der Deutschen Kommunikationsdesigner im Oktober und November vergangenen Jahres nach den Lebensumständen von Designern in Deutschland gefragt. Knapp 2.000 Kollegen und Kolleginnen haben sich an der Online-Umfrage beteiligt. Die Ergebnisse zeigen ein umfassendes Bild der Branche mit einigen durchaus erfreulichen teils aber auch erschreckenden Fakten: Fast die Hälfte aller selbständigen Designer kalkuliert mit einem Stundensatz, der unter 50,00 Euro liegt. Das ist ein Satz, mit dem keine dauerhafte Existenz zu sichern ist.

Insgesamt zeigt der Report einen erschreckenden Mangel an kaufmännischer Kompetenz unter Designern, an dem unbedingt zu arbeiten ist. Beispielhaft sei in diesem Zusammenhang erwähnt, dass nur einer von vier selbständigen Designern standardmäßig schriftliche Auftragsbestätigungen versendet. Ein Viertel der Befragten lässt diesen normalen Schritt innerhalb einer Geschäftsbeziehung immer aus. Und so erhielten die Ausbildungsinstitutionen für ihre kaufmännische Vorbereitung auf den Beruf in der Umfrage eine glatte Fünf.

Der Verband weiß um mögliche Verzerrungen, die durch das Medium Internet entstehen können. Es ist nicht sicher, ob ein repräsentativer Querschnitt aller Kommunikationsdesigner erreicht wurde. Das Bild unter den Angestellten entspricht jedoch den Ergebnissen, die der BDG in seiner Umfrage von 2010 herausgefunden hat.

»Die Branche befindet sich im Spagat zwischen einem funktionierenden Markt und einem nicht zu übersehenden prekären Vorhof« beobachtet BDG-Präsident Christian Büning. »Sorge bereitet uns insbesondere die Tatsache, dass viele Kolleginnen und Kollegen vor allem in kaufmännischer Hinsicht nur unzureichend auf ihren Beruf vorbereitet sind. Die Teilnehmer der Umfrage haben ihren Ausbildungsinstitutionen hier erschreckend schlechte Noten verliehen. Alle Beteiligten – auch die Verbände – müssen hier unbedingt nachbessern.«

Die 92-seitige Dokumentation der Online-Umfrage zu diversen Aspekten der Arbeitsbedingungen von selbständigen und angestellten Kommunikationsdesignern können Sie hier herunterladen [PDF, 1,7 MB].

Druckexemplare können in der Geschäftsstelle per Mail an info@bdg-designer.de abgerufen werden. Für Journalisten sowie BDG-Designer und -Designerinnen ist die gedruckte Dokumentation kostenfrei. Allen anderen senden wir sie gerne gegen eine Schutzgebühr in Höhe von 10,00 Euro zu.

14 Kommentare

  • Kann man nur so unterschreiben. Kaufmännische Seminare finden an der Hochschule Niederrhein für den FB Design nicht statt. Es geht immer nur um Ideen, Pitchen/Wettbewerb und Selbstdarstellung. Das dabei die Ideen unter Wert an Mann gebracht werden oder die FH nur Portfolioprofilierung betreibt sehe ich überwiegend. Alles scheiße!!

  • Besten Dank für diesen Bericht ich kann nur hoffen dass die ‚Richtigen‘ diesen Bericht lesen und ihr ‚Denken und Händeln‘ entsprechend anpassen. Das viele Freelancer mit einem Stundensatz, der unter 50,00 Euro liegt , kalkulieren hat nun mal eine Reihe von nicht Zu-Ende-Denkender auf Seite der Agenturen und der Freelancer und Mitarbeitern. Solange viel zu viele Tagessätze unter 400,- anbieten und Agenturen Glauben nicht mehr als 400,- Euro zu Zahlen solange können diese jungen Mitarbeiter auch nicht mehr kalkulieren und damit einen Satz der auch eine dauerhafte Existenz sichern kann. Überdies ist bei der Masse der Agenturen es gelebte Wirklichkeit einen Tagessatz auch für ‚Einen Tag‘ zu verstehen und nicht als Basis für 8 Stunden Arbeit. Ich hoffe es hilft dem einen oder anderen meinen Artikel über Tagessatzkalkulation zu lesen: http://ux4dotcom.blogspot.com/2012/10/day-rate-calculation-for-freelancer-and.html

  • Dass die Situation von Selbständigen in unseren Branche prekär ist, ist vielleicht auch der Vorstellung geschuldet, es sei ein ausschließlich kreativer Beruf und habe mit Querdenken weit weg von Strukturen zu tun. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht jedoch darin, mit KundInnen Produkte, Abläufe, Vorgabe und Wünsche zu ordnen, neu zu betrachten, umzustrukturieren. Damit ist man schnell bei einem weniger „romantischen“ Bild unseres Berufes angekommen und kann einen klaren Blick auf die Realitäten werfen. Was mich zudem interessiert: sind die Zahlen spezifiziert nach Geschlecht? sind Frauen und Männer in der gleichen Situation? Grüße aus Berlin, Jakina U. Wesselmann

  • Christian Benedict

    Okay, wir wissen jetzt, wie es NICHT geht. Wie geht es denn? Wie schaffen es die Kreativen, die zum Leben nötigen Preise den Auftraggebern gegenüber zu argumentieren?

    Ich habe zu diesem Thema schon viele Gespräche geführt und es kommt immer wieder dieselbe Antwort: „Ich kann das nicht genau sagen, das hängt von XYZ ab!“

    Die einzige Basis für einen realistischen Stundensatz/Lohn scheint der eigenen monatliche Bedarf zu sein (Ausgaben).

    Selbst die Agenturen kennen die Preise selbst nicht. Aus dem Gespräch mit dem GF einer mittelgroßen Agentur hier in Düsseldorf habe ich diese Aussage: „Der kreative Werbemarkt ist – bis auf wenige Aussnahmen – tot! Ich erhalte mit viel Glück ein Budget für eine Kampagne über 110000€, habe dabei aber fast 100000€ Aufwand und wenn mir der Druck am Ende schiefläuft zahle ich sogar noch drauf. Es ist also ein reines Geldwechselgeschäft. Dabei arbeite ich unter enormen Erfolgs- und Zeitdruck (Wochenendarbeit wird da billigend in Kauf genommen). Und die Erfahrung aus diesem Job kann ich nicht im nächsten nutzen, denn da sind die Anforderungen oft völlig andere. Reine Kreativleistung ist nur bedingt skalierbar, daher konzentriere ich mich immer mehr auf den Verkauf solcher Leistungen und entwickle nicht mehr selbst.“

    Der Mann ist Diplom-Betriebswirt, kennt sich also mit Zahlen aus …

    Ich für meinen Teil weiß auch, dass auf Seiten der Auftraggeber  oft die Vorstellung herrscht, dass „das ja mal mit paar Klicks“ gemacht ist. Die wirkliche Arbeit vor und nach der Kreation wird ignoriert (auch gerne von den Kreativen selbst). Wenn ich z. B. zu einem Auftraggeber fahre für eine Stunde, habe ich (wenn ich erfolgreich einen Auftrag an Land ziehen will) mindestens eine Stunde Vorbereitung und eine Stunde Nachbereitung (+ evtl. An- und Abfahrt). Aus einer fakturierbaren Stunde werden also benötigte drei Stunden! Wenn ich Glück habe kann ich die in einem größeren Projekt abrechnen, wenn nicht fallen die „hinten runter“, denn in der Zeit habe ich ja „nichts gemacht“ (sagte so mal tatsächlich ein Auftraggeber zu mir bei der Durchsicht der Rechnung)!

    Interessant wäre also wirklich mal zu erfahren, wie es die erfolgreichen kreativen unserer Branche schaffen, auf Ihre Stunden/Ihr Honorar zu kommen? Wie macht Ihr das konkret? Wie kalkuliert Ihr? Ich bin gespannt …

  • Vroni Gräbel

    „Wie macht Ihr das konkret? Wie kalkuliert Ihr?

    Schließe mich der nicht ganz unblöden 🙂 Frage an. Vielleicht kann der BDG ja Interviews machen. Bezweifle aber stark, dass von den „Stars“ außer wohlfeilen, abgewogenen Sentenzen etwas kommt.  Bis dahin nehme ich mal positiv an: Gutes Eigenmarketing machen, auf Vorträgen und Events präsent sein = wertvoll sein. Eine einfache  Rechnung, geht zumindest bei Spiekermann und Kollegen auf. Der ist ja wirklich fleißig, no kidding. Ich nehme auch mal positiv an, er kann seine Hororare für sich und seine Agentur durchsetzen.

    Für die, denen es nicht so gut geht, die nicht so reisefit sind und die ihre Honorare nicht durchsetzen können: Es gibt ja noch eine zweite, ebenfalls zumindest teil-prekäre Branche, die der Coacher. die wollen ja auch was verdienen.^^

    [Im Ernst, es sind halt einfach zu viele, zu viel Freelancer, zu viele Agenturen = es ist ein Käufermarkt (viele Anbieter, wenig Käufer). Und wie Käufermärkte gehen, kann sich ein BWL-unbeleckter Designer oder Schmalspur-Hobby-BWL-er wie meine Wenigkeit zumindest mal auf Wikipedia angedeihen lassen. Und sich diesen Realitätscheck ohne Gejammer reinziehen. Auf zum Zweitjob. ]

     

  • Hallo,

    Ich bin seit 3-4 Jahren nun Selbständig anfangs nebenberuflich jetzt vollzeit. Ich habe eine sehr günstige Wohnung, kein Auto und lebe recht einfach und sparsam.  Vor Anfragen kann ich mich zur Zeit kaum retten und das ohne jegliche Aquise.  von Touchscreen über Firmenprospekte, WordPress und Typo3 CMS hin zu klassischen Corporate Design Sachen.  2-3 Agenturen bediene ich und aber viel lieber Direktkunden.
    „“Teilweise musste ich schon Outsourcen aus Zeitgründen.““
    Nun sobald ich mal n bisl mehr verlange wird geknausert, 3000€ für ne CorporateWebsite ist dem Mittelstand zu viel.

    Mein HalbjaahresBudget habe ich erreicht, allerding kämpfe ich gerade und Stunden für Kndengespräche und Angebote fallen hinten raus. 

    Vorallem arbeite ich mit Vorkasse das bindet den Kunden 30% ei Beginn der Arbeit und alle bis auf Agenturen akzeptieren das wunderbar 😉  ( Vielleicht als Tip ).

    Also man arbeitet viel und sitzt ständig vorm Rechner und es reicht zum Leben, aber mehr is et nit!

  • Vroni Gräbel

    „Also man arbeitet viel und sitzt ständig vorm Rechner und es reicht zum Leben, aber mehr is et nit!“

    Dann verlangt man, verlangen Sie, zu wenig. Das erklärt auch den Ansturm.

    Zur Zeit ebenfalls viele Anfragen, viele fliegen aber auch schon als Bewerber auf die edle Anwartschaft als Client from Hell von meiner Seite her gnadenlos raus.

    Manche auch formulieren z. B. gleich zu Beginn indirekt – sie werden verbal immer geschickter möchte man meinen, den unverhohlenen Wunsch nach spec work, weil man „sich das im Angebot so noch nicht vorstellen könne, man sei ein Bildmensch“. Ich dann ungerührt: „Ich auch, daher bin ich ja der Designer von uns beiden …“ – Oder man fliegt in der Angebotsphase raus bei einer Forschungsgesellschaft – öffentliche Hand übrigens – weil man es gewagt hat, 3 in sich unterschiedliche Logo-Varianten für niedrige xx angeboten zu haben – bester Spiekermann bitte weghören! – und nach 2 kostenlosen Korrekturschleifen des Favoriten nach Stundensatz wünscht honoriert zu werden. Ebenso sich unbotmäßig den Kommunikationsaufwand vergüten lassen möchte. Bei Gremien mitsamt recht entscheidungsunbefugter Marketingverantwortlichen i. V. ratsam übrigens. Ging aber wohl gar nicht. Und , ja: vermutlich unendlich viele kostenlose Korrekturen, was denn sonst.

    Wie lange macht man sowas.

    Ich habe zum Glück bereits eine Familie gegründet und Kind ist bereits großgezogen. Heutzutage würde ich in solchen Client-from-Hell-Zuständen  – zunehmend ruppige Art mancher Prospects, zunehmend verhungerte Klienten-Briefings nach dem Motto: man muss nicht nur keinen Gedanken haben, man muss auch unfähig sein, ihn auszudrücken – kaum mehr gründen wollen. Dabei bin ich abgehärtet, in ruppigen und indolenten Verhältnissen aufgewachsen, qua Zonenrandgebiet. (Entschuldigung, ist halt so). Heißt aber nicht, dass ich Nichtdenken & Feudalismus sklavenmäßig weiterhin als Erwachsener dulde und als Erfüllungsgehilfe ausführe, nur weil ich von Kindesbeinen an autoritären Feudalismus gewohnt war.

    Ich würde heute also nicht nur ’nicht mehr gründen‘ wollen, sondern auch kein Design mehr studieren, so schön das Fach auch immer noch ist. Lieber Medizin; vom Abi her wäre es gegangen – und wundere mich sehr über den endlosen Ansturm auch und gerade auf die Designer-Privatschulen.  Haben die alle einen reichen Papi? Noch wie was von Käufermarkt gehört?

    Wer nichts wird, wird Wirt, das war gestern; früher und heute werden die, der schlechte Abi-Noten haben Grafiker.

    Ich hätte sogar mal welche in Richtung Aufnahme coachen sollen, deswegen sind sie bei mir aufgeschlagen. Hatte große Mühe, diese Coachingbeauftragungen sponsored by Helikopter-Elternhaus abzuwehren. Alles, bloß das nicht. Eigentlich bin ich eine Nette. Doch ich weiß nicht, wie lange noch. Wie lange es noch dauert, bis ich einen wirklich haue.

  • Vroni Gräbel

    Aus dem BDG-Eingangsbeitrag:

    „Beispielhaft sei in diesem Zusammenhang erwähnt, dass nur einer von vier selbständigen Designern standardmäßig schriftliche Auftragsbestätigungen versendet.“

    Diese sehr niedrige Zahl ist seltsam. Ob das wirklich immer an ‚den mangelnden kaufmännischen Fähigkeiten‘ der Designer liegt?

    (Obwohl die sicherlich verbesserungswürdig sind, stattgegeben.)

    Da würde ich doch mal bitte in zukünftigen Befragungen nachhaken, ob es nicht eher sein kann, dass eben viele Einzelkämpfer oft weniger für Direktkunden denn als Freelance für Agenturen arbeiten. Hier ist man per du, da gibt es vielleicht bereits irgendwie frei gestaltete Freelance-Verträge, es pladdern häufig die Vorgestern-fertig-sein-muss-Sachen rein.  Da sind maximal Auftragsbestätigungen per E-Mail (rechtlich unsicher) drin, in der Praxis läuft das zu schnell für irgendwelche kaufmännische Normalbürokratie. Da macht man sich als Designer schnell unbeliebt. Außer Vermittlungsagenturen wie das Designerdock, die dürfen das …

    scnr

  • „Wer nichts wird, wird Wirt, das war gestern; früher und heute werden die, [der] ‚die‘ schlechte Abi-Noten haben Grafiker.“

    Ich – Kommunikations-Design-Student – Abi 1,8 – berechne intern einen Stundensatz von 70€ (von meinem Schrift Professor empfohlener Mindestbetrag: 70€).

    Kommilitonin – auch Design Student – Abi 1,4 – traut sich nicht mehr als 25€ zu verlangen, weil ja noch in der Ausbildung, usw. mit den fadenscheinigen Argumenten … (war nicht bei meinem Schrift Prof im Seminar).

    Was ich damit alles sagen will:
    1. Ich hatte bereits einen Studienplatz für Medizin, hab mich aber für das entschieden, was ich liebe.
    2. Das Abitur tut bei der Wahl des Studienfaches absolut nichts zur Sache – weiß man leider erst hinterher.
    3. Viele Professoren sind schlechte Vorbilder, bzw. viele hippe Designer geben ein falsches Bild für uns junge Generation ab.
    4. Die Vorstellung eine ähnliche Vergütung wie ein niedergelassener Arzt oder ein Jurist zu erhalten, sollte uns nicht abwegig erscheinen.
    5. Eine fundierte Gestalter Ausbildung stelle ich mir wie folgt vor:
    Vier Jahre Bachelor & 1,5 Jahre Master & 0-0,33 Jahre Praktikum & Zwei Jahre Promotion. Und danach, wie wir gelernt haben: Selbstständig machen und Glückseligkeit fortsetzen.

    Wer sich aber bereits im Bachelor mit 25€ abgefunden hat, der muss sich nicht wundern, wenn er in vermeintlich sicheren Verhältnissen einer Werbeagentur Karriere machen darf. Wie war dort nochmal die Hierarchie? Praktikant, Trainee, Junior Designer, Advanced Junior Designer, Junior Designer mit Aussicht auf Beförderung, Art Director, STOP … und plötzlich ist man 40, juhuu endlich Creative Director. Der Wahnsinn! 

    Also liebe Design Professionals: Macht euch auf zu uns in die Hochschulen & Akademien. Lasst eure mit Plattgold überzogenen Süßwarenladen Präsentationen zuhause und zeigt uns welchen Wert Design hat.

  • So ähnlich sahen die Ergebnisse der AGD Umfrage im letzten Jahr auch aus. Nichts neues also. Diesen Job üben nur wenige sehr erfolgreich aus und das geht nur mit Vitamin B und marktschreierischem Ego-Marketing. Aber das verrät einem niemand während der Ausbildung, ebenso wenig wie Kaufmännisches.

    Ich bin seit fast 10 Jahren freiberuflich unterwegs. Anfangs lief es super. Dann wurde es sukzessive schlechter und nun läuft fast nichts mehr. Ich vermute es liegt an der Zunahme von Billigangeboten im Netz und einem völlig übersättigtem Markt. Die werden nicht nur Kunden abgegriffen sondern das Image von Grafikdesignern nachhaltig geschädigt, so dass der Wert unserer Arbeit und der Aufwand immer schwerer zu vermitteln sind.

    Wenn ich Praktikumsanfragen bekomme rate ich den jungen Menschen inzwischen von diesem Beruf ab. Ich werde Grafik an den Nagel hängen und ab Herbst etwas völlig anderes studieren … sonst weiß ich auch nicht wie lange ich mich noch beherrschen kann was das Hauen betrifft 🙂

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  • hmmm. also wenn ich  so was lese „Wenn ich Praktikumsanfragen bekomme rate ich den jungen Menschen inzwischen von diesem Beruf ab. Ich werde Grafik an den Nagel hängen und ab Herbst etwas völlig anderes studieren “ verstehe ich die welt nicht mehr. ich such ejedes jahr gutes personal für meine agentur – eine kleine qual. 

    ich behaupte, das sich auch in dem bereich qualität und engagement durchsetzt. wer als selbständiger glaubt, nach 10h ist der tag zu ende, hat eh ein falsches bild.

    wer gutes bietet, kann auch gutes geld verlangen. aber ehrlich: da draußen rennen so viel schlafmützen rum, da wundert mich nichts mehr!

  • „design ist kunst, kunst ist fantasie, fantasie ist unbezahlbar“

    noch leicht übernächtigt, aber willens zu schreiben: der wert von designleistung ist für den laien kaum richtig zu bewerten. die kunst eines guten designers besteht darin, seine fachkompetenz überzeugend zu demonstrieren durch intelligente fragen und ein entsprechend strategisch ausgerichteten beratungsansatz. aber hier fehlt es oftmals an wissen! was braucht denn mein kunde? wo drückt der schuh? neu positionierung des unternehmens, detaillierte wettbewerbsanalyse, schärferes kompetenzprofil seiner marke, …? wenn ich es schaffe, meinen gesprächspartner  zu begeistern, seine fantasie zu entfachen, dann kann ich auch gutes geld verdienen. das ist meine erfahrung 

  • @rob: Wunderbar ausformuliert. Danke!

    Design ist von Kunst weit entfernt, da wir für unseren Auftraggeber Probleme lösen. Und damit sind unsere Arbeiten kein reiner Selbstzweck, sondern haben Ziele. Und um diese ausformulieren zu können, benötigen wir Fachkompetenz, wie geschrieben. Genau das scheint mir den Unterscheid zu machen: Ein guter Kommunikationsdesigner ist Berater und kann die Ideen auch noch in eine passende Bildsprache übersetzen.

  • „die kunst eines guten designers besteht darin, seine fachkompetenz überzeugend zu demonstrieren durch intelligente fragen und ein entsprechend strategisch ausgerichteten beratungsansatz.“

    Jetzt muss ich doch noch mal was dazu sagen.

    Es ist so: Der gesamte deutsche Mittelstand (KMU) hasst „das Gequatsche von der Strategie“ ausdauernd. Es gibt sogar Umfragen/Studien drüber.

    Je nachdem, wen man als Designer anspricht, kann man das gerne machen.

    Das hochwertige Argumentieren verfängt halt nur bei Leuten, die auf „Strategie“ stehen. Die gibt es beim Mittelstand in der Regel kaum.

     Die Crux dann:

    Die Kundschaft jedoch, die ein kleines Designbüro nur bedienen kann (für andere ist es zu klein), bleibt nach wie vor der Mittelstand. Und der hasst das halt, das Strategiegerede. Maximal findet er kurzfristige  „Taktik“ gut.

    Der  Mittelstand nennt solcher Designer im allgemeinen „arrogant und hochnäsig“. Wörter wie „Elfenbeinturm“ und „realitätsfremd“ werden ebenfalls gern genommen.

    Über das schwammige Kriterium „Schönheit, Ästhetik“ hinaus verkaufen zu können?

    Geht nicht, nicht für den kleinen. Der kleine Designer kann einpacken. Das etwas größere Büro hat dieses Problem nicht in dem Maß. Daher bin ich etwas vorsichtig bei solchen globalen Lösungs- und Rettungsansätzen, dass „nur so“ das Dilemma der wenig wertschätzenden Vergütung für diese Branche zu lösen sei. Auch vorsichtig bei der Einschätzung „wenn nur mehr Designer besser kalkulieren könnten“, damit das Problem der zu geringen Vergütungen gelöst sei.

    Es ist und bleibt das Marktproblem, dass sich zu viele Anbieter tummeln.

    Ein Designer, der seinem Verbandssprech treu folgt und sich wie diese ständig derart in die Tasche lügt, ist schlecht bedient. Selbst Denken ist angesagt. Das kann soweit gehen, dass er sich besser zukunftsträchtigeren gewerblichen Geschäftsmodellen zuwendet. Es ist sowieso schwer zu verstehen, weshalb Designer bei all ihrem Wissen über Strategie, Marketing, Postionierung und Gestaltung nicht schon längst selbst ein gewerbliches Geschäft oder Unternehmen aufmachen. Besser ist das.

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