»Designer sind die Erklärer – sie erklären die Welt« BDG-Podium zur Zukunft des Designs auf Vimeo

Die Aussichten für Designer sind gut. Je schneller sich die Verhältnisse ändern, je komplizierter die Welt wird, desto wichtiger wird ihre einzigartige Kompetenz: Designer können visualisieren, was sie denken. Damit steht ihnen ein herausragendes Werkzeug zur Verfügung, um Entwicklungen zu fassen und zu erklären. Das zumindest war eine der hoffnungsfrohen Erkenntnisse im Gespräch zwischen Prof. Gesche Joost und BDG-Designer Prof. Erik Spiekermann, das auf Einladung des BDG Mitte April in Berlin stattfand.

»The Times They Are a-Changin‘ – again« – mehr als 90 Minuten lieferten sich die Internetbotschafterin der Bundesregierung und der renommierte Typograf und Gestalter eine überaus lebhafte Diskussion über die Zukunft des Kommunikationsdesigns. Mit dem Verweis auf die Diskussionen um das Wahlkampf-Logo von Hillary Clinton hatte Moderator Boris Kochan (ebenfalls BDG) die Veranstaltung im voll besetzten Berliner orangelab eröffnet. Die Diskussionen um dieses Logo weit über Fachkreise hinaus zeigen, dass Design auch für breite Bevölkerungsschichten längst zum Thema geworden ist. Der Bedarf an Wortbildmarken wächst unaufhörlich. Gleichzeitig ist jeder davon überzeugt, selbst ein bisschen Designer zu sein, da die entsprechende Software mehr oder weniger zur allgemeinen Verfügung steht.

Professionelles Design ist aber weit mehr als die gekonnte Nutzung von Software:
Designer haben eine besondere Fähigkeit zu sehen, was gestaltet werden kann und muss.

Design ist auch eine Art von Remix-Kultur. Häufig wird lediglich eine Kleinigkeit an Vorhandenes hinzugefügt oder es wird Bestehendes in neue Kontexte gestellt. So verstanden wird der Designer zum Fragesteller, zu jemandem, der Vorhandenes auflöst und neu zusammenfügt.

Die Arbeitsweise von Designern ist erfolgreich. Nicht umsonst wird Design Thinking längst in vielen anderen Bereichen eingesetzt. Andererseits ist die Arbeitsweise der Designer aber auch durch neue technische Möglichkeiten bestimmt. So werden nach Ansicht von Gesche Joost zukünftig mit Hilfe von Open-Source-Werkzeugen die partizipatorischen Prozesse zunehmen, bei denen die Auftraggeber in den Gestaltungsprozess eingebunden sind, aber auch Designer mit verschiedenen anderen Disziplinen gemeinsam an einem Projekt arbeiten.

Die Designer sind gut aufgestellt nach übereinstimmender Ansicht von Erik Spiekermann und Gesche Joost. Designer können gedankliche Prozesse visualisieren. Sie können Denken und Gestaltung miteinander verbinden. Das zeichnet sie aus: »Wir sind die Erklärer«, sagte Erik Spiekermann gegen Ende der Diskussion, »wir erklären die Welt.«

Einen 8-minütigen Zusammenschnitt der Veranstaltung sowie den Mitschnitt der gesamten Diskussion (1:35 h) finden Sie unter vimeo.com/bdgdesigner

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