Verleihung des ECO Bundespreises in Berlin – eine Nachlese von Kadir Kara

Am 27. November wurde der Bundespreis Ecodesign bereits zum sechsten Mal in Berlin verliehen. Das Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt zeichnen jährlich, zusammen mit dem Internationalem Designzentrum Berlin (IDZ), ökologische, innovative und herausragend gestaltete Ideen aus.

Ungefähr 200 geladene Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und der Designbranche nahmen an der Verleihung im Bundesumweltministerium teil – unter ihnen auch der BDG und der Deutsche Designtag. Eröffnet werden sollte der Abend durch die amtierende Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, die jedoch verhindert war. Offensichtlich ist nur eine Sache wichtiger als der Bundespreis Ecodesign, nämlich Deutschland und die Bildung einer Regierung. Die Veranstalter ließen den Abend über daran keinen Zweifel zu.

Beim Bundespreis Ecodesign handelt es sich um einen fairen sowie wichtigen Designpreis: Die Bewerbung steht allen offen – seien es Nachwuchsdesigner oder alt-eingesessene Unternehmen wie Miele & Cie KG. – während die Teilnahmegebühren nach Unternehmensgröße gestaffelt und überschaubar sind. Die Gewinner erhalten, neben einer Urkunde und Trophäe, ein kleines Preisgeld, das vor allem dem Nachwuchs dient. Die Preisträger zeigen mit ihren Projekten richtungsweisende Ideen für die Zukunft, die honoriert und damit einem breiteren Publikum bekannt gemacht werden. Die diesjährige Jury bestand unter anderem aus Werner Aisslinger, Prof. Anna Berkenbusch und Prof. Friederike von Wedel-Parlow, um nur einige der Designer zu nennen. Auch die Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, sowie der Vizepräsident des Umweltbundesamtes und ein Umweltexperte am ifeu Heidelberg reihten sich in die gut durchmischte Jury ein.

Ausgezeichnet wurde in den vier Kategorien Produkte, Dienstleistungen, Konzepte und Nachwuchsarbeiten. Die Preisträger reichen von Modedesignerinnen bis hin zu Architekten, die die Jury mit ihren Ideen und Konzepten überzeugen konnten. Vorgestellt wurden die jeweiligen Projekte durch eine Laudatio eines Jurymitglieds und einen Preisträgerfilm.

Miele & Cie KG entwickelte einen Geschirrspüler, der den Energieverbrauch durch eine neue Wärmespeichertechnologie im Vergleich zu herkömmlichen Geräten deutlich minimiert. Außerdem ermöglichen eine durchdachte Gestaltung eine ideale Positionierung für die schonende Reinigung und Trocknung von Stielgläsern.

Mit C1-mini-HC entwickelten die corporate friends® einen LED-Strahler, der flexibel in Vitrinen im Museums- und Ladenbau angewendet werden kann. Das Beleuchtungssystem lässt sich ohne Werkzeug ausrichten und besteht selbst nur aus zehn Teilen pro Strahler, die man als Anwender einfach selbst zusammenbauen kann.

In der Kategorie Konzept konnte eine Idee überzeugen, die Botanik mit Architektur verbindet und aufzeigt, wie die nachhaltige Nutzung von Pflanzen in Architektur und im Städtebau der Zukunft aussehen könnte.

kaputt.de, ein bundesweites Vergleichsportal für Reparaturlösungen, wurde in der Kategorie Service ausgezeichnet. Nutzer finden dort Anleitungen zur Selbstreparatur oder den nächsten Reparaturservice für elektronische Geräte. Ein weiterer Schritt in Richtung nachhaltiger Konsum, es erinnert aber ein bisschen zu sehr an das amerikanische Vorbild iFixit.

»Teller statt Tonne« ist das Credo von To Good to Go, die mit einer App helfen möchten, übrig gebliebene Gerichte aus der Gastronomie zu verkaufen, um gegen die Lebensmittelverschwendung anzukämpfen. Die Bestellungen können eine Stunde vor Ladenschluss abgeholt werden.

Ina Budde wurde an diesem Abend in der Kategorie Nachwuchs ausgezeichnet, die mit »Design for Circularity« kreislauffähige Mode für das Label JAN’N JUNE entwickelte. Transparenz, Vernetzung innerhalb der Modewirtschaft sowie der Ausbau von Rückgabestrukturen und Angebote zur Mehrfachnutzung stehen im Vordergrund des Projekts.

Natascha von Hirschhausen, die mit ihrer Kollektion »Natascha von Hirschhausen – Design.Mode.Ethik« in der Kategorie Produkt überzeugen konnte, arbeitet ausschließlich mit IVN Best und GOTS zertifizierte Materialien und verwendet keine Plastikkomponenten. So leistet sie mit ihrer Kollektion, die durch eine gut durchdachte Schnittform fast keinen Verschnitt vorweist und nur auf Bestellung gefertigt wird, einen Beitrag zur Förderung von nachhaltiger Produktion und ethischem Konsum. Ursprung und Weiterverarbeitung der Materialien sind transparent und werden jährlich auf die soziale und ökologische Nachhaltigkeit geprüft.

Nach der Verleihung war bei einer Ausstellung genug Zeit, sich persönlich mit den Preisträgern und ihren Projekten auseinanderzusetzen. In angenehmer Atmosphäre ließ es sich gut ins Gespräch kommen, während man bei Musik und Finger-Food den kurzweiligen Abend ausklingen lassen konnte.

Mehr Informationen zu den Preisträgern und der Jury gibt es auf der Website des Bundespreises Ecodesign

von BDG-Designer Kadir Kara, Fürstenfeldbruck

Kadir Kara ist selbstständiger Designer aus Fürstenfeldbruck. Seit seinem Studium an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule München arbeitet er für verschiedene Startups und mittlere Unternehmen. Größenteils beschäftigt sich Kara mit Website und digitalen Produkten. Ab März diesen Jahres verschlägt es ihn für ein weiteres Studium an die Köln International School of Design (KISD), um sich ganzheitlich mit Design auseinanderzusetzen.

© IDZ | Kühnapfel Fotografie

© IDZ | Kühnapfel Fotografie

© IDZ | Kühnapfel Fotografie

© IDZ | Kühnapfel Fotografie

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