Ein Gewinn bei euch ist ein Verlust für mich. Offener Brief von Daniel Hyngar an den Rat für Formgebung

Die Freude in seinem Gesicht erstirbt langsam, als Daniel Hyngar die näheren Konditionen für den Designpreis des Rats für Formgebung liest. Allein die Nominierung sollte 449 Euro kosten und verpflichtet dazu, im Fall eines »Gewinnens« bis zu 4150 Euro zusätzlich zu bezahlen. Äußerst verwundert über diesen vermeintlichen Designpreis, ausgelobt vom Rat für Formgebung, hat Daniel Hyngar einen offenen Brief an den Rat für Formgebung geschrieben.
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Daniel Hyngar ist Designer und Inhaber des Büros Hyngar in Köln.

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Der German Brand Award ist laut Eigenaussage »ein Premiumpreis für Marken und Markenmacher und bietet eine einzigartige Chance, Markenkompetenz unter Beweis zu stellen. […]«

 

Verwirrung in der deutschen Award-Landschaft

Der German Brand Award ist ein neuer Ableger des German Design Award, der vom Rat für Formgebung angeboten wird. Der eigentliche Designpreis der Bundesrepublik Deutschland (Auch Bundesdesignpreis genannt) wurde unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie BMWI vom DMY in Berlin verliehen. Diese Schirmherrschaft wurde jedoch abrupt im Jahr 2014 beendet. Seitdem gibt es keine offizielle Auszeichnung der Bundesrepublik für herausragende Leistungen in der Designwirtschaft. Als Ausnahme in der Kreativwirtschaft ist der Deutsche Computerspielepreis zu nennen, der mit insgesamt 470.000 Euro dotiert ist und dessen Teilnahme kostenfrei ist.

Umsatz Designwirtschaft 2014: ca. 18,8 Mrd. EURO*
Umsatz Gamingwirtschaft 2014: ca. 31,4 Mrd. EURO
Dotierung Designpreis Designwirtschaft: –
Dotierung Designpreis Gamingwirtschaft: 470.000 EURO

*ohne Werbemarkt

Der BDG fordert ausdrücklich die Wiederaufnahme einer offiziellen und dotierten Würdigung, die dem Designstandort Deutschland gerecht wird.

Zum offenen Brief von Daniel Hyngar an den Rat für Formgebung:

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Wie werden wir arbeiten? Leseprobe aus der neuen BDG Gründerfibel

Wie werden wir arbeiten?
Die Diskussion über die Zukunft unseres Berufs hat enormen Schwung aufgenommen. Einige Umrisse für die Zukunft werden erkennbar, die vor allem an diesen vier Punkten sichtbar werden:

1. Designer werden weniger in Agenturen arbeiten!
Die klassische Werbeagentur mit ungefähr 20 Mitarbeitern wird eine immer seltenere Erscheinung werden. Die Alltagsdesignjobs wie etwa das Anpassen eines Anzeigenmotivs oder die Pflege eines Katalogs werden zunehmend im Haus der Auftraggeber von Medienproduktionern übernommen. Für die Designagenturen bleibt der rein konzeptionelle Teil der Arbeit übrig. Es wird also weniger mittelgroße Agenturen geben, dafür mehr Kleinunternehmen und Einzeldesigner. Dazu wird es netzwerkartige Strukturen geben, die diese vielen kleinen Einheiten schnell und temporär verknüpfen können. Das wird neue Berufe wachsen lassen, wie zum Beispiel den des Designmanagers oder in der Designevaluation.

2. Kommunikationsdesigner werden Wege und Strukturen gestalten!
Wenn die Produktion und die serielle Umsetzung von Entwürfen aus den Händen der Designer in die Hände der Medienproduktioner wandert, wird unsere Kernkompetenz sichtbar: Wir können Strukturen erkennen, optimieren und kommunizieren. Bisher haben wir diese Fähigkeiten fast ausschließlich für Unternehmenskommunikation auf Papier oder Bildschirm verwendet. Wir werden unsere Kernkompetenzen in Zukunft jedoch in sehr viel mehr Bereichen einsetzen, zum Beispiel in sozialen Projekten oder in der Bildung. Die klassische Werbung wird sich ebenfalls stark verändern, da sie immer weniger beachtet wird. Unternehmen als Absender werden mit bezahlter Kommunikation nur dann beachtet werden, wenn sie einen relevanten gesellschaftlichen Kommunikationsbeitrag leisten. Dieser Beitrag kann zum Beispiel eine Initiative oder eine Positionierung zu einem sensiblen Thema sein. Es wird darum gehen, mit einer intelligenten Haltung verbunden zu werden, nicht mit einem simplen Kaufreiz.

3. Es wird viel mehr Anwender geben – und weniger Designer!
Die technischen Werkzeuge von uns Designern sind nahezu vollständig demokratisiert. Jeder hat Zugang zur Bildbearbeitung, jeder kann Vektorgrafiken erstellen, und jeder kann einen Film schneiden. Wir bieten also nicht mehr den exklusiven Zugang zu diesen Werkzeugen an, wie es unsere Kollegen vor 30 Jahren noch taten. Das, was wir anbieten, ist unsere Qualität der Lösungen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn also jeder Zugang zu den Designwerkzeugen hat, wird automatisch der Bedarf an qualitativ sehr hochwertigen Lösungen steigen, so wie es Tiefkühlgerichte und Profiköche gibt. Da die Reaktionszeiten immer kürzer werden, werden Lösungen gefragt sein, die schnell entstehen, aber einen breiten Bedeutungshorizont berücksichtigen können. Wenn jede Kommunikation das Potenzial hat, ein Unternehmen zu ruinieren, kommt den Kommunikatoren eine wichtige Rolle zu. Das begünstigt Designer mit breiter Allgemeinbildung und gesellschaftlichem Gespür. Es wird also einen Designermarkt geben für sehr hochwertige und belastbare Lösungen und einen Umsetzermarkt, der die Benutzung der Werkzeuge anbietet. Der Designermarkt wird deutlich kleiner sein als der Umsetzermarkt.

4. Der Zugang zum Designmarkt erfolgt über Bildung und Haltung!
Wenn Designer gefragt sein werden, die sich schnell in Themen eindenken können, ein breites Hintergrundwissen mitbringen und die Konsequenzen ihres Handels auf vielen Ebenen einschätzen können, dann wird sich der Zugang zu diesem Beruf stark über Bildung und Haltung regeln. Es braucht Zeit, Geld und das passende Umfeld, um diese Fähigkeiten zu erwerben. Die Ausbildung der Designer für den Designmarkt muss daher ihren Schwerpunkt von der Anwendung auf die Strategie verlegen. Diesem Anspruch in sechs Semester gerecht zu werden, wird nicht leicht sein.

Was heißt das für zukünftige Designer?

Wenn meine Vermutungen zutreffen, werden wir es mit einem Designermarkt zu tun haben, der breit ausgebildete, fähige Kommunikatoren braucht, die einen Dialog weit über Papier und Bildschirm hinaus denken können. Diese Designer werden nah an der Steuerung von Unternehmen und Projekten sitzen und müssen daher die Sprache der Steuerung und der Unternehmen verstehen und sprechen können. Diese Designer werden selbst weniger Logos gestalten oder Briefpapiere setzen, sondern den Korridor bestimmen, innerhalb dessen Entwurfsvarianten erstellt werden. Die Designer bewerten und integrieren. Sie zeichnen keine Icons, sondern Wege. Da dieser Designermarkt deutlich kleiner ist als die Summe der Designer heute, wird es einen erschwerten Zugang zu diesem Markt geben, aber auch deutlich höhere Verdienstmöglichkeiten. Die Designer, die diesen hohen Anforderungen nicht oder nicht ganz genügen, werden zusammen mit den Mediengestaltern im Umsetzermarkt ein Zuhause finden und innerhalb der vorgegebenen Korridore gestalten können.

Die Ausbildung der Designer wird sehr viel stärker den Fokus auf die Kommunikationsfähigkeiten legen müssen und weniger auf die Anwendung von Werkzeugen. Kommunikation lernt man durch das Kommunizieren, daher sollte die Ausbildung von im Beruf aktiven Designern geleitet und durch Forschung und Theorie ergänzt werden. Die Anzahl der Designabsolventen in Deutschland für diesen kleinen Designermarkt ist momentan deutlich zu hoch. Es wird also eine Spezialisierung der Hochschulen geben in Richtung Designer oder Anwender.

Wie auch immer sich unser Beruf verändern wird, wir werden ihn mit gestalten, und wir werden von dieser Gestaltung selbst geformt werden. Wir werden unser Fähigkeiten dort einsetzen, wo es geplante Kommunikation braucht. Wir werden weiter den schönsten Beruf der Welt mit Leben füllen, und dabei wünsche ich nicht nur viel Erfolg, sondern immer den richtigen Ton.

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Dieser Text ist ein Auszug aus der neuen BDG Gründerfibel von Christian Büning. Die zweite Auflage ist soeben erschienen. Mehr zur Fibel. 

Titelbild: pexels.com

Sollte ich Designer werden?

20 Fragen – ein Ergebnis!

1. Du liest Harry Potter. Was geht dir durch den Kopf?
2. Du siehst auf dem Gehweg zwei Kaugummis. Was denkst du?
3. Du siehst einen Friseurladen mit einem sehr peinlichen Namen. Was denkst du?
4. Über deinem Sofa hängen drei gleich große Bilder. Wie hängen sie?
5. Du fährst Autobahn. Was geht dir durch den  Kopf?
6. Wie viele Logos könntest du aus der Erinnerung zeichnen?
7. Was beschreibt dein Verhältnis zur Arbeit am besten?
8. Du siehst ein Hinweisschild, dass die Toiletten für Rollstuhlfahrer nur über eine Treppe zu erreichen sind. Was denkst du?
9.  Welchen Teil der Zeitung liest du zuerst
10.  Wie würdest du dein Verhältnis zur Allgemeinbildung beschreiben?
11. Wo in der Wertschöpfungskette würdest du am liebsten arbeiten?
12. Was beschreibt die Arbeit eines Designers deiner Meinung nach am besten?
13. Was braucht ein Designer deiner Meinung nach am meisten?
14. Warum willst du Designer werden?
15. Was ist  deiner Meinung nach am mächtigsten
16. Welcher dieser Aussprüche kommt von einem Designer?
17. Was ist das wichtigste Möbel in einem Designbüro?
18. Was ist dir bei der Berufswahl am wichtigsten?
19. Welche Metapher trifft deine Vorstellung von Geschmack am besten?
20. Könntest du dir vorstellen, etwas anderes als Design zu machen?

Jetzt absenden und dein Ergebnis anschauen!



Name

Wir Designer. Gastbeitrag von Delia Valentina Fröhlich

Eine perspektivische Ergänzung zu Christian Bünings Text: «Wir sind gestört. Zur Lage der Designer in Deutschland.»
→ www.designmadeingermany.de/2015/90919

Delia Fröhlich kritisierte die Stellungnahme auf facebook, weshalb wir Sie gerne eingeladen haben, ihre Sicht der Dinge zu formulieren. Ihr Artikel ist parallel auf medium.com erschienen. Wir freuen uns auf eine anregende Diskussion.


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Delia Valentina Fröhlich ist Kommunikationsdesign-Absolventin der HTW Berlin und Mitgründerin des BRUT Magazins sowie des BETT– Raum für Designkomparative.


 

 

Wir Designer.

Wir sind zu alt, um zu brennen und zu jung, um zu arbeiten.
Wir Designer sind gestört.

Eine perspektivische Ergänzung zu Christian Bünings Text: «Wir sind gestört. Zur Lage der Designer in Deutschland.»
→ 
www.designmadeingermany.de/2015/90919

Der Begriff «Design» öffnet parallele Realitäten. Während die einen um ihre Existenz bangen, suchen die anderen noch den — erweiterten — Sinn ihrer Tätigkeit. In wahrscheinlich keinem zweiten Beruf gehen die Definitionen, Ansprüche und Fähigkeiten so weit auseinander wie im Design. Handwerk, Wissenschaft, Autorentum … Design scheint allgegenwärtig!

Christian Büning, Diplom-Designer und derzeit Präsident des BDG, versucht in seinem Text eine Zustandsbeschreibung des aktuellen Designberufes anhand seiner persönlichen Erfahrungen und gesammelter Eindrücke seines Umfeldes. Auf der einen Seite beschreibt er eine Generation von Designern, die sich mit der Demokratisierung ihrer Werkzeuge abgefunden habe und deren Aufgabe darin bestehe, diese professionell zu nutzen. Auf der anderen Seite sieht er eine Generation von — vor allem jüngeren — Designern, deren Versuch ein übergroßes Selbstbild aufrecht zu erhalten, zu einer

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BDG Podium #2 und BDG Hauptversammlung in Weimar

BDG Podium #2
Nicht mehr und doch noch nicht – über Vergangenheit und Zukunft des Designberufs

Boris Kochan im Gespräch mit Julia Meer und Florian Pfeffer

Designer bewegen sich gekonnt zwischen vielen Disziplinen: Handwerk und Kunst, Technik und Wirtschaft und eine Prise Philosophie. Designer nutzen Fertigkeiten aus all diesen Bereichen, lassen sich aber keinem eindeutig zuordnen. Das macht den Beruf ausgesprochen vielfältig und anregend, aber auch schwer fassbar. Weitergehende Professionalisierung ist in einer solchen Branche eine echte Herausforderung.

Die Designhistorikerin Julia Meer zeichnet in einem Streifzug durch die Geschichte des Grafik-Designs nach, wie sich künstlerische Herkunft und wirtschaftliches Handeln auf die Entwicklung des Berufes ausgewirkt hat. Insbesondere geht sie in ihrem Vortrag der Frage nach, wie der Prozess einer Professionalisierung durch Ausbildung und Spezialisierung voran getrieben werden kann.

Im Anschluss spricht der BDG-Designer und Agenturinhaber Boris Kochan mit Julia Meer und dem Gestalter und Autoren Professor Florian Pfeffer über die veränderte Rolle des Gestalters in der Welt. Wo können sich Designer der Zukunft sinnvoll einbringen? Nicht zuletzt geht es um die Haltung der Designer – um die Haltung zu ihrer eigenen Zukunft.

Samstag, 7. November 2015, 17:00 Uhr
ehemalige Staatsbank, Steubenstraße 15, 99423 Weimar

Eintritt 12,00 Euro | Studierende 5,00 Euro | BDG-Designer kostenlos
Tickets gibt es über xing