Rezension: »Visuell berichten« von Gisela Grosse et al.

Visuell berichten Gisela Grosse BDG

Visuell berichten
Eine Studie zum Potenzial der Gestaltung in Geschäftsberichten
Gisela Grosse, Katharina Ripperda, Alena Voelzkow
erschienen bei SpringerGabler, ISBN 978-3-658-14137-0

Designer bedauern oft, dass es zu wenig belastbare Forschung zur Wirkung von Design gibt. Die wenigsten Designprojekte entstehen unter Laborbedingungen und die A-B-Tests für Landing-pages sind erst ein zaghafter Anfang in diesem Metier. Die Schnittmenge von visueller Kommunikation und ökonomischem Einfluss ist im Bereich der Geschäftsberichte sehr groß. Die Unternehmen, die bilanzieren müssen, haben aus der lästigen Pflicht eine Kür gemacht und statt nackter Zahlenwerke immer aufwendiger produzierte Publikationen entwickelt. Statt nüchterner Tabellen werden jetzt Geschichten erzählt, Themen gesetzt und Unternehmenswerte in Szene gesetzt. Die Verzahnung von Bildschirm und Papier ist auch bei Geschäftsberichten immer wichtiger geworden und führt zu Berichtsformen, die nicht nur informieren wollen, sondern auch unterhalten und binden.

Das Corporate Communications Institute an der FH Münster (CCI) unter der Leitung von Gisela Grosse bewertet die Geschäftsberichte der DAX30-Unternehmen und analysiert nach einem eigens entwickelten Verfahren die Qualität der Berichte. Nun ist es nicht ganz einfach, Qualität im Design zu bewerten, da es keine festen Regeln für »innovativ«, »genial«, »charmant« oder »wow« gibt. Das CCI versteht sich daher als neutraler Sparringpartner zwischen Unternehmen und Designbüro, um die Reflexionsfähigkeiten über Design zu stärken und die Vorteile von Design besser nutzbar zu machen. Im jährlichen Bericht des CCI werden die Stärken und Schwächen der Geschäftsberichte analyisiert und mittels eines Punktesystem Sieger und Verlierer gekürt. Unterhaltsam ist die Live-Präsentation dieses Berichtes, die für alle anwesenden Verantwortlichen der Konzerne entweder sehr ruhmreich oder auch unfreiwillig peinlich werden kann.

Visuell berichten Gisela Grosse BDG

Die Erfahrungen aus dem CCI sind auch in die nun vorliegende Studie »Visuell berichten« geflossen, die Gisela Grosse, Katharina Ripperda und Alena Voelzkow im SpringerGabler-Verlag veröffentlicht haben. Die sonst oft vermissten Laborbedingungen haben sie hier geschaffen und Geschäftsberichte inhaltlich unverändert in zwei Darreichungsformen in zwei Probandengruppen bewerten lassen. Die Konzernkennung wurde dabei unkenntlich gemacht, sodass keinerlei gelerntes Image einwirken konnte. Beide Probandengruppen wurden dann zu verschiedenen Kriterien der Geschäftsberichte befragt. Dabei ging es nicht nur um Lesbarkeit und Bildsprache, sondern auch um Struktur, Anmutung und Stringenz. Natürlich erwartet man in einer Studie, die von Designern in Auftrag gegeben wird, dass gut gestaltete Inhalte besser abschneiden als mäßig gestaltete. Aber dass die Unterschiede derart deutlich zu Tage treten, hätte ich nicht erwartet.

Die Geschäftsberichte im Test, die vom CCI für den Test optimal gestaltet sind, bieten messbar mehr Beschäftigungsdauer, schnelleres Auffinden von Kennzahlen, Unternehmensmission oder -strategien, sie werden auch wesentlich angenehmer bewertet, was deutlich auf die Bewertung der Unternehmen abfärbt. Als Beispiel sei hier das Portraitbild des oder der CEO genannt. Der Wert eines Unternehmens hängt fast ausschließlich an deren Geschick, daher kommt dem Portrait eine besondere Bedeutung zu. Hier haben die Berichte des CCI immer wieder darauf hingewiesen, dass es wenig Nähe erzeugt, über Jahre hinweg ein immer gleiches »Verbrecherfoto« neben das Grußwort zu platzieren. Wie viel Nähe erzeugt dagegen ein situatives Portrait des CEO im Betrieb oder draußen, passend zur Geschichte, die der Bericht erzählen will. Wie wichtig Nahbarkeit für die Bewertung eines Unternehmens ist, kann regelmäßig in der Tagesschau angeschaut werden.

Visuell berichten Gisela Grosse BDG

Diese Studie zeigt angenehm unaufgeregt die Parameter für gute visuelle Kommunikation, an denen sich Gestalter und Unternehmenslenker orientieren können. Der einzige Wermutstropfen ist die verlagseigene Gestaltungssprache und die Ausstattung des Buches. Die feine Ironie, dass ein Buch, das die Vorteile von Gestaltung, Typografie und Weißraum selbst etwas kleinteilig und gedrängt gestaltet ist, kann man nicht ausblenden. Auch die Ausstattung des Buchs hätte etwas mehr Präsenz vertragen können, eine Klappenbroschur hätte dem leicht formbaren Umschlagmaterial den nötigen Halt gegeben. Offenbar sind Wissenschaftler aber hart im Nehmen, wenn es um Studien geht. Die vorliegende Studie liefert für Unternehmen einen tiefen Einblick in die Wirkungsgrade von visueller Kommunikation und für Gestalter eine gute Versprachlichung ihrer Arbeit sowie messbare Ergebnisse. Erst die Kritiker machen ein Restaurant groß, daher wünsche ich mir, dass diese kritische Studie die visuelle Kommunikation groß macht und viele Leser findet.

Christian Büning

Die Studie »Visuell berichten« ist im SpringerGabler-Verlag erschienen, hat 80 Seiten Umfang und ist lieferbar.

Neue Kollegen: Designhochschulen stellen aus

BDG Übersicht Absolventen Ausstellungen

Sommerbeginn, Semesterende, Ausstellungszeit – es ist eine gute Tradition, dass viele Hochschulen und Fachhochschulen zum Semesterende die Arbeiten ihrer Designstudenten in teils sehr schönen Ausstellungen zeigen. Wir haben für Sie alle Termine zusammengestellt, die wir auf den Webseiten der Hochschulen gefunden haben. Sollte uns eine Ankündigung entgangen sein, können Sie uns unter info@bdg-designer.de gerne darauf hinweisen. Die Übersicht ist alphabetisch nach den Namen der Städte sortiert.

Allen neuen Kolleginnen und Kollegen einen guten Start ins Berufsleben mit Haltung, Wissen und einem guten Netzwerk!


 

Diploma Sommer 2016
Fachhochschule Aachen
15. bis 16. Juli 2016

selected 16_2 | Rundgang
design akademie berlin
2. bis 5. August 2016

Werkschau
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
29. bis 30. Juli 2016

Rundgang 2016
Universität der Künste Berlin
22. bis 24. Juli 2016

Rundgang – Tage der offenen Tür 2016
weißensee kunsthochschule berlin
16. bis 17. Juli 2016

Rundgang – Open Studios
Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
13. bis 17. Juli 2016

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»Wir sind doch einfach … wir!«
BDG-Podium über Vergangenheit und Zukunft des Designberufs auf Vimeo

BDG Podium Pfeffer, Meer, Kochan, Weimar

Das Gelächter im Publikum war groß, als Florian Pfeffer erzählte, wie einige Designer mit ihm über die Frage gestritten haben, ob Freelancer als Unternehmer zu bezeichnen sind. »Wir sind doch einfach – – – wir!« hatten sie erwidert, als Florian Pfeffer sie fragte, was sie denn sonst wären. Es ist ein verständnisvolles Lachen, das Publikum kennt die Haltung. Viele Designer lassen sich nicht gerne in Kategorien einordnen, schon gar nicht in eindeutig ökonomische.

»Nicht mehr und doch noch nicht« – das ist die Formel, mit der sich der Stand der Branche ganz treffend charakterisieren lässt. Das zeigen die Diskussionen deutlich beim zweiten BDG-Podium, das unter diesem Motto in Weimar stattfand. Nach einem Vortrag der Designhistorikerin Julia Meer sprach der BDG-Designer Boris Kochan mit dem Gestalter Florian Pfeffer und Julia Meer über das Selbstbild von Designern, die Perspektiven der Profession und daraus resultierende Konsequenzen für die Ausbildung von Designern.

Die historische Folie hatte Julia Meer in ihrem einleitenden Vortrag zur Entwicklung des Berufsbilds geliefert. Sie zeichnete nach, wie sich vor knapp 100 Jahren aus Künstlern Designer entwickelt haben. In vielerlei Hinsicht ist diese Herkunft bis heute prägend für den Zustand der Profession geblieben. So ist beispielsweise das Studium immer noch häufig durch künstlerische Traditionen und Inhalte geprägt. Unternehmerische Aspekte spielen nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Fertigkeiten wie etwa das rhetorische Wissen, wie Designentscheidungen vertreten werden können, oder strategische Fragen bei der beruflichen Positionierung sind allenfalls Randthemen des Studiums.

Eine klare Differenzierung von Design im Unterschied zur Kunst ist längst noch nicht allerorten erfolgt. So berichtete der Gestalter Florian Pfeffer in der anschließenden Podiumsdiskussion von den vielen Ölgemälden, die er als ehemaliger Dozent an der HfG Karlsruhe für die Mappenprüfungen zu sichten hatte. Sie zeigen ein Designverständnis seitens der Bewerber um einen Studienplatz, das noch immer von der Kunst geprägt ist. Und so erwarten die Studentinnen und Studenten weiterhin Studieninhalte, die sich in erster Linie um Buchgestaltung und Plakatentwurf drehen. Die wenigsten werden jedoch zukünftig allein von dieser Vorstellung des Designberufs leben können. Gefragt sind veränderte Vorstellungen von beruflichen Inhalten. Gefragt sind Konzepte, die sich an dem orientieren, was nachgefragt wird.

Der Beruf ist im Umbruch – zum wiederholtem Male. Es wird Zeit, sich endgültig von der künstlerischen Herkunft zu lösen und zu einem eigenständigen Berufsbild zu finden. Dazu gehört der Mut, auch ungewöhnliche Wege zu gehen. Und manchmal findet man dann auch Weggefährten – nicht nur, aber auch im Berufsverband.

Einen Zusammenschnitt der Diskussion finden Sie auf dem Vimeo-Account des BDG unter https://vimeo.com/154698125

Ein Blick zu Sabine Koch in die Bundesgeschäftsstelle

Sabine_Koch_BDG_Bundesgeschaeftsstelle

Wann immer Sie den BDG anrufen, sprechen Sie vermutlich zuerst mit unserer Geschäftsstellenleiterin Sabine Koch. Sie kennt die Antworten auf fast alle Fragen und kann die passenden Kontakte vermitteln. Denn seit mittlerweile 10 Jahren leitet sie die Geschäftststelle des BDG und behält bei allen schwierigen Themen den Überblick. Auch bei dringlichen Fragen von BDG Kollegen aus ganz Deutschland, bei eiligen Presseanfragen oder in der Beratung von Auftraggebern und Verwertern ist Sabine Koch meist die erste Stimme des BDG. Ganz nebenbei hat Sabine in nordischem Understatement Anfang März ihr Jubiläum beim BDG gefeiert. Dafür sagen wir vom Präsidium im Namen aller Mitglieder herzlichen Dank! Gerne mehr.

Sie erreichen Frau Koch per Email unter info@bdg-designer.de und telefonisch (030 24531490) zu folgenden Zeiten:

Montag, Mittwoch, Donnerstag von 9:00 – 16:00 Uhr
Dienstag von 9:00 – 17:30 Uhr
Freitag von 9:00 – 14:30 Uhr

Sollte ich Designer werden?

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20 Fragen – ein Ergebnis!

1. Du liest Harry Potter. Was geht dir durch den Kopf?
2. Du siehst auf dem Gehweg zwei Kaugummis. Was denkst du?
3. Du siehst einen Friseurladen mit einem sehr peinlichen Namen. Was denkst du?
4. Über deinem Sofa hängen drei gleich große Bilder. Wie hängen sie?
5. Du fährst Autobahn. Was geht dir durch den  Kopf?
6. Wie viele Logos könntest du aus der Erinnerung zeichnen?
7. Was beschreibt dein Verhältnis zur Arbeit am besten?
8. Du siehst ein Hinweisschild, dass die Toiletten für Rollstuhlfahrer nur über eine Treppe zu erreichen sind. Was denkst du?
9.  Welchen Teil der Zeitung liest du zuerst?
10.  Wie würdest du dein Verhältnis zur Allgemeinbildung beschreiben?
11. Wo in der Wertschöpfungskette würdest du am liebsten arbeiten?
12. Was beschreibt die Arbeit eines Designers deiner Meinung nach am besten?
13. Was braucht ein Designer deiner Meinung nach am meisten?
14. Warum willst du Designer werden?
15. Was ist  deiner Meinung nach am mächtigsten
16. Welcher dieser Aussprüche kommt von einem Designer?
17. Was ist das wichtigste Möbel in einem Designbüro?
18. Was ist dir bei der Berufswahl am wichtigsten?
19. Welche Metapher trifft deine Vorstellung von Geschmack am besten?
20. Könntest du dir vorstellen, etwas anderes als Design zu machen?

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