Design als wirtschaftliche Notwendigkeit – erste Ergebnisse einer Studie zum Thema Design Management

85 Prozent europäischer Unternehmen sind der Ansicht, dass Innovationen, die durch Design erfolgen, ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Diese Zahl nannte zumindest das Barcelona Design Centre (BCD) in einer Pressemitteilung.

Die spanische Organisation stützt sich dabei auf Vorabinformationen aus einer europaweiten Studie, die zur Zeit von dem Projekt Design Management Europe (DME) durchgeführt wird.

Die Studie ist Teil eines EU-Projekts, das es sich zum Ziel gesetzt hat, Unternehmen zu motivieren, Design nicht nur für die Produktgestaltung einzusetzen, sondern in alle Geschäftsprozesse zu integrieren. Im vergangenen Jahr wurde in diesem Zusammenhang bereits zum zweiten Mal der Design Management Europe Award vergeben. Zielgruppe der Initiative sind vor allem kleinere und mittelständische Unternehmen.

Der Vorteil für den Designer liegt auf der Hand: Unternehmensführungen, die verstanden haben, dass Design kein ästhetischer oder gar kunstgewerblicher Luxus ist, sondern handfester wirtschaftlicher Vorteil, werden die Kompetenzen und Kapazitäten ausdrücklich auch von Kommunikationsdesignern in Anspruch nehmen und zu würdigen wissen. Fundiertes Wissen über effektives Design Management und die Installation eines solchen im Unternehmen kann auch dem selbstständigen Designer nur zum Vorteil gereichen.

Vielerorts ist die Erkenntnis, dass Design umsatzfördernd wirkt, längst angekommen. Eine Reihe von nationalen Studien hat dies bereits nachgewiesen. Trotzdem zeigt die alltägliche Erfahrung, dass sich zwischen der grundsätzlichen Einsicht in den Nutzen von professionellem Design und einer entsprechenden Umsetzung im Alltag der Unternehmensführung eine weite Kluft auftut. Allzu viele kleine und mittlere Unternehmen glauben, dass es langt, wenn Produkt- und Kommunikationsdesign in Eigenregie von Angestellten ohne Design-Ausbildung improvisiert werden. Sie verharren auf der untersten Stufe der Design-Leiter (siehe unten), die 2003 vom dänischen Design Center im Zuge einer Studie entwickelt wurde. Damit geben diese Unternehmen ohne Not die Möglichkeit aus der Hand, ihre wirtschaftliche Durchschlagskraft zu verbessern. Dieser Zusammenhang wurde nämlich in dieser dänischen Studie belegt: The Economic Effects of Design (PDF). Zu ähnlichen Ergebnissen kam im Übrigen auch eine österreichische Studie aus dem Jahr 2006: 1. österreichische Designleiter.

Die aktuelle Studie des DME sucht nach Gründen für die mangelnde Bereitschaft kleinerer und mittlerer Unternehmen professionelles Design einzusetzen. Damit sollen Wege aufgezeigt werden, kreatives Potential und innovative Durchschlagskraft zu vergrößern. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse dieser Studie und freuen uns an der großen Zahl von Unternehmensführungen, die laut ersten Ergebnissen im Prinzip den Wert von Design für ihren wirtschaftlichen Erfolg begriffen haben.

Kommunikationsdesign: Platzhirsch der Leitbranche

Eingebettet in die Lissabon-Agenda der EU werden auch hierzulande die Creative Industries neuerdings als bedeutender Wirtschaftszweig auf Augenhöhe mit den Energieversorgern und der Chemischen Industrie wahrgenommen.

Leitbranche der Creative Industries und Wachstumstreiber mit zweistelligen Zuwachsraten ist die Designwirtschaft mit einem Umsatzvolumen von 14,9 Milliarden Euro in 2006. Imposante 84% beziehungsweise 12,6 Milliarden Euro dieses Volumens wurden im Bereich Kommunikationsdesign erwirtschaftet.

Diese beeindruckenden Zahlen (PDF | 16 S. | 230 KB) stellte der renommierte Kulturwirtschaftsforscher Michael Söndermann kürzlich auf der Eröffnungsveranstaltung des aktuell laufenden Programms »Improve Design Business« vor, welches vom IDZ Berlin in Kooperation mit Branchenpartnern – darunter auch der BDG – realisiert wurde.

Mit der gerade angelaufenen »Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft« begegnet die Bundesregierung dieser neuen Sicht der Dinge. Hauptziel der Initiative ist »die Erschließung positiver Zukunftsperspektiven der Kultur- und Kreativwirtschaft durch Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und bessere Ausschöpfung und Entwicklung ihres Arbeitsplatzpotentials. Außerdem zielt die Bundesregierung in Anlehnung an die Arbeiten der Enquete-Kommission ‚Kultur in Deutschland‘ darauf ab, die Bedeutung der Branche noch stärker als bisher in die Öffentlichkeit zu tragen und ihr wirtschafts- und beschäftigungspolitisch die gleiche Anerkennung zu geben wie sie den etablierten Wirtschaftszweigen zu Teil wird.«

Weitere Informationen gibt es auf der Website des BMWi.

Zum Auftakt der BMWi-Initiative finden in diesem Jahr Branchenhearings mit den einzelnen Teilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft statt, um deren Strukturen und Bedürfnisse besser kennen zu lernen – denn klar ist schon im Vorfeld: dieser Wirtschaftszweig unterscheidet sich von den anderen Schwergewichten durch seine extrem kleinteilige Struktur mit einem bedeutenden Anteil von Selbständigen und Kleinstunternehmen.

Das Hearing für die Designwirtschaft ist für die zweite Jahreshälfte in Planung und im Rahmen der Vorbereitung dieses Hearings konnte sich die iDD Initiative Deutscher Designverbände als kompetenter Ansprechpartner etablieren.

Soziale Absicherung durch neues GmbH-Recht gefährdet

Berlin, den 27. Juni 2008 | »Die Einführung der so genannten ›1-Euro-GmbH‹ ist eine Gefahr für die soziale Absicherung zahlreicher Freiberufler«, darauf wies der BDG Bund Deutscher Grafik-Designer e.V. in einer heutigen Stellungnahme hin. Der Berufsverband der Kommunikationsdesigner fordert daher flankierende soziale Maßnahmen.

Am gestrigen Donnerstag hat der Bundestag beschlossen, GmbHs auch ohne das bislang nötige Garantiekapital zuzulassen. Der BDG befürchtet, dass die Zahl an scheinselbstständigen Designern, die schon jetzt in Unternehmen ohne entsprechende arbeitsvertragliche Absicherung durch sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse tätig sind, in rasantem Maße ansteigen werden – und zwar jetzt völlig legal als Ein-Personen-GmbH.

Der Vorteil für den Auftraggeber liegt auf der Hand: Wird eine GmbH beauftragt, so fallen keinerlei Sozialversicherungsbeiträge an. Und nicht nur das: Zusätzlich entfallen auch bei Auftragsvergabe an eine GmbH die Abgaben an die Künstlersozialkasse. Seit der Einführung vermehrter Kontrollen der Künstlersozialabgaben werden schon jetzt freiberufliche Designer durch potentielle Auftraggeber vermehrt zur Gründung einer GmbH gedrängt, so die Beobachtung des BDG Bund Deutscher Grafik-Designer. Mit dem Wegfall des Mindestkapitals wird es zu einem größeren Druck kommen.

Der BDG schlägt daher vor, Sozialversicherungsprüfungen auch bei Betreibern von GmbHs vorzunehmen. Weiterhin sollten Zahlungen an GmbHs zukünftig ebenfalls mit der Künstlersozialabgabe belegt werden.

KSVG I: Künstlersozialabgabe: Nachzahlungen – was tun?

Seit kurzem herrscht bei Auftraggebern von künstlerisch und publizistisch Schaffenden (zu denen zum Beispiel freie Journalisten und Kommunikationsdesigner gehören) Aufruhr. Knapp 25 Jahre nach Einführung der Künstlersozialabgabe ist diversen Unternehmen und sonstigen Einrichtungen plötzlich aufgefallen, dass sie die Abgabe tatsächlich zahlen müssen.

Grund für diese unvermutete Aufmerksamkeit ist aber nicht die Jubiläumsfeier, die zum 25-jährigen der Künstlersozialkasse gefeiert werden wird, sondern die schlichte Tatsache, dass die Abführung der Abgabe ab diesem Jahr von den Betriebsprüfern der Deutschen Rentenversicherung geprüft wird. Und weil die mit rund 3.000 Personen etwas mehr Zeit zum Prüfen haben als die bisher nur 20 Prüfer der Künstlersozialkasse, nehmen Auftraggeber und ihre Steuerberater das Thema ein wenig ernster als bisher.

Übrigens kann eine Abgabepflicht auch Freie treffen, wenn sie selbst Honorare auskehren. Für die Abgabe kommt es nicht darauf an, ob der Empfänger Mitglied der Künstlersozialkasse ist. Das große Thema heißt damit: Nachzahlungen. Eine Amnestie gibt es nicht. Die wurde von den rechtstreuen Abgabepflichtigen abgelehnt, weil sie nicht einsehen, dass sie jahrzehntelang Gesetze beachten, andere dagegen mit dem Thema in aller Laxheit umgehen, um am Ende nicht einmal mit Konsequenzen rechnen zu müssen.

Was tun, wenn der Auftraggeber sich beschwert oder mit »Konsequenzen« droht (z. B. Sperrung des Honoraretats)?

1. Erklären Sie Ihrem Auftraggeber, dass die Abgabepflicht seit 25 Jahren besteht. Wenn er sich irgendwo beschweren will, dann bei seinem Steuerberater.

2. Weisen Sie darauf hin, dass der Vorgang mit Ihnen persönlich nichts zu tun hat, nicht einmal damit, dass Sie Freischaffender oder Mitglied der Künstlersozialkasse sind. Für jeden, der Honorare für freie künstlerische oder publizistische Leistungen erhält, ist die Abgabe zu zahlen.

3. Machen Sie Ihren Auftraggeber darauf aufmerksam, dass er die Künstlersozialabgabe als Betriebsausgabe geltend machen kann. Das minimiert seine Belastung.

4. Machen Sie deutlich, dass der Einsatz von Ihnen erheblich günstiger war und ist, als wenn er über eine große Agentur oder GmbH Leistungen einkauft. Die rund 5 Prozent Abgabe sind ein Klacks gegen die Mehrkosten, die ihm beim Einsatz anderer entstehen.

5. Weisen Sie darauf hin, dass er bei wirklichen Zahlungsproblemen die ratenweise Nachzahlung bei der Künstlersozialkasse beantragen kann.

6. Bieten Sie – als Serviceleistung – an, seinem Steuerberater bzw. seinen sonstigen Mitarbeitern oder Unternehmensgliederungen die Informationsschriften der Künstlersozialkasse zukommen zu lassen. (Sie selbst finden diese unter www.kuenstlersozialkasse.de.)

7. Weisen Sie darauf hin, dass er für alle seine sonstigen Mitarbeiter, die in Anstellung arbeiten, rund 20 Prozent an Nebenkosten hat, erheblich mehr als für Sie.

8. Machen Sie darauf aufmerksam, dass der Abgabesatz zumindest in der Zukunft sinkt (2008 auf 4,9 Prozent).

9. Weisen Sie darauf hin, dass das Gesetz einen Abzug der Abgabe von den Honoraren verbietet (§ 32 Sozialgesetzbuch I).

10. Es war und ist nicht Ihre Aufgabe, Ihren Auftraggeber auf Abgaben aufmerksam zu machen. Wenn Ihr Auftraggeber ein Auto kauft, kann er dem Verkäufer ja später auch nicht ernsthaft vorwerfen, er hätte ihn auf die horrenden Pflichtversicherungen für Autos hinweisen müssen.

Text: Michael Hirschler, DJV | www.djv.de

KSVG III: Jetzt schnell ’ne GmbH gründen?

Diese Frage treibt immer mehr selbständige Kolleginnen und Kollegen um, seit die Prüfung der Künstlersozialabgaben durch die Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung auf der Auftraggeberseite für gehörigen Wirbel sorgt. Kapitalgesellschaften hätten keine Künstlersozialabgaben zu leisten, hört man immer wieder. Doch das trifft nicht zu! (Als Kapitalgesellschaften bezeichnet man beispielsweise AGs, GmbHs oder KGs. Die GbR ist keine Kapitalgesellschaft.)

Auch Kapitalgesellschaften sind abgabepflichtig für alle Leistungen, die sie bei Freischaffenden einkaufen und unter Umständen auch für das Gehalt des Geschäftsführers und seine Gewinnanteile. Richtig ist, der Auftraggeber einer GmbH wird für die Verwertung von künstlerischen oder publizistischen Leistungen, die er bei der GmbH einkauft, seinerseits nicht zur Künstlersozialabgabe herangezogen.

Wird eine GmbH also von einem Einzelunternehmer nur gegründet, um dem Kunden die Künstlersozialabgabe zu ersparen, verschiebt sich die Zahlungsverpflichtung vom Kunden auf den Gestalter. Denn falls der Geschäftsführer selbst gestaltet, ist sein Gehalt abgabepflichtig. Das kann man machen, dann müssten die Honorare eben um die Höhe der Künstlersozialabgabe steigen.

Darüber hinaus bringt die Führung einer Kapitalgesellschaft jedoch auch an anderer Stelle erhöhte Abgaben und Aufwendungen mit sich. Jeder Kaufmann kann sich leicht ausrechnen, dass auch dieser höhere Aufwand natürlich letztlich auf die Stundensätze umgelegt wird.

Unter anderem führt eine Kapitalgesellschaft im Vergleich zur Personengesellschaft zu einem höheren Aufwand

  • bei der Gründung
    (Kapital und Verträge)
  • in der Führung
    (Gesellschafterversammlungen, Beschlüsse, Protokolle etc.)
  • in der Buchhaltung
    (Pflicht zur Bilanzierung und doppelter Buchführung)
  • durch die Gewerbesteuerpflicht ohne Freibeträge
  • Diese Tatsachen sollten Kolleginnen und Kollegen ihren Auftraggebern zu bedenken geben, falls – was offenbar derzeit häufig der Fall ist – Auftraggeber Druck ausüben, »man solle doch eine GmbH gründen, um dem Auftraggeber die Zahlung der Künstlersozialabgabe zu ersparen«.

    Letztlich lässt sich so für niemanden etwas sparen.

    Weitere Informationen auf der Website der Künstlersozialkasse: www.kuenstlersozialkasse.de