»Wir sind doch einfach … wir!«BDG-Podium über Vergangenheit und Zukunft des Designberufs auf Vimeo

Das Gelächter im Publikum war groß, als Florian Pfeffer erzählte, wie einige Designer mit ihm über die Frage gestritten haben, ob Freelancer als Unternehmer zu bezeichnen sind. »Wir sind doch einfach – – – wir!« hatten sie erwidert, als Florian Pfeffer sie fragte, was sie denn sonst wären. Es ist ein verständnisvolles Lachen, das Publikum kennt die Haltung. Viele Designer lassen sich nicht gerne in Kategorien einordnen, schon gar nicht in eindeutig ökonomische.

»Nicht mehr und doch noch nicht« – das ist die Formel, mit der sich der Stand der Branche ganz treffend charakterisieren lässt. Das zeigen die Diskussionen deutlich beim zweiten BDG-Podium, das unter diesem Motto in Weimar stattfand. Nach einem Vortrag der Designhistorikerin Julia Meer sprach der BDG-Designer Boris Kochan mit dem Gestalter Florian Pfeffer und Julia Meer über das Selbstbild von Designern, die Perspektiven der Profession und daraus resultierende Konsequenzen für die Ausbildung von Designern.

Die historische Folie hatte Julia Meer in ihrem einleitenden Vortrag zur Entwicklung des Berufsbilds geliefert. Sie zeichnete nach, wie sich vor knapp 100 Jahren aus Künstlern Designer entwickelt haben. In vielerlei Hinsicht ist diese Herkunft bis heute prägend für den Zustand der Profession geblieben. So ist beispielsweise das Studium immer noch häufig durch künstlerische Traditionen und Inhalte geprägt. Unternehmerische Aspekte spielen nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Fertigkeiten wie etwa das rhetorische Wissen, wie Designentscheidungen vertreten werden können, oder strategische Fragen bei der beruflichen Positionierung sind allenfalls Randthemen des Studiums.

Eine klare Differenzierung von Design im Unterschied zur Kunst ist längst noch nicht allerorten erfolgt. So berichtete der Gestalter Florian Pfeffer in der anschließenden Podiumsdiskussion von den vielen Ölgemälden, die er als ehemaliger Dozent an der HfG Karlsruhe für die Mappenprüfungen zu sichten hatte. Sie zeigen ein Designverständnis seitens der Bewerber um einen Studienplatz, das noch immer von der Kunst geprägt ist. Und so erwarten die Studentinnen und Studenten weiterhin Studieninhalte, die sich in erster Linie um Buchgestaltung und Plakatentwurf drehen. Die wenigsten werden jedoch zukünftig allein von dieser Vorstellung des Designberufs leben können. Gefragt sind veränderte Vorstellungen von beruflichen Inhalten. Gefragt sind Konzepte, die sich an dem orientieren, was nachgefragt wird.

Der Beruf ist im Umbruch – zum wiederholtem Male. Es wird Zeit, sich endgültig von der künstlerischen Herkunft zu lösen und zu einem eigenständigen Berufsbild zu finden. Dazu gehört der Mut, auch ungewöhnliche Wege zu gehen. Und manchmal findet man dann auch Weggefährten – nicht nur, aber auch im Berufsverband.

Einen Zusammenschnitt der Diskussion finden Sie auf dem Vimeo-Account des BDG unter https://vimeo.com/154698125

Bundesregierung erwägt verpflichtendes Norm-Design

Berlin. Die Bombe platzt zum Wochenende: Das Kabinett hat bereits auf der Sitzung am Mittwoch lange darüber beraten, für Deutschland ein standardisiertes Design für sämtliche Kommunikationsmedien einzuführen. Ziel dieser Maßnahme sollen enorme Impulse für die Wirtschaft sein. Das sogenannte Norm-Design (ND) soll für die Wirtschaft Einsparungen in Milliardenhöhe erzielen, indem die permanente Entwicklung neuer Anmutungen nicht mehr nötig sein wird. Regierunssprecher Siebert lobte den Vorstoß der Regierung: »Wir haben jetzt lange genug Moden kommen, gehen und wieder kommen sehen. Das ist wirtschaftlicher Unsinn, daher ist das Norm-Design ein großer Schritt nach vorne!«

Das Norm-Design legt zwar eine Standardschriftart, Linksbündigen Satz und eine noch zu definierende Farbpalette fest, lässt den Unternehmen aber auch Freiheiten, zum Beispiel in den Formaten. Bundeswirtschaftsminister Gabriel, SPD, stellt sich ebenfalls hinter das Norm-Design: »Wir beobachten jetzt seit sehr langer Zeit die Designwirtschaft und wir können immer noch nicht erkennen, was die Designer eigentlich genau machen. Wir brauchen aber transparente Dienstleistungen, die jeder nachvollziehen kann, daher wird zukünftig die Bundesregierung das Designgeschäft übernehmen.«

Die Designverbände beraten sich zur Stunde, ob und wie sie Stellung zum Norm-Design beziehen werden und haben sich bereits auf eine gemeinsame Schriftart einigen können.

Bild: DPA

Ein Blick zu Sabine Koch in die Bundesgeschäftsstelle

Wann immer Sie den BDG anrufen, sprechen Sie vermutlich zuerst mit unserer Geschäftsstellenleiterin Sabine Koch. Sie kennt die Antworten auf fast alle Fragen und kann die passenden Kontakte vermitteln. Denn seit mittlerweile 10 Jahren leitet sie die Geschäftststelle des BDG und behält bei allen schwierigen Themen den Überblick. Auch bei dringlichen Fragen von BDG Kollegen aus ganz Deutschland, bei eiligen Presseanfragen oder in der Beratung von Auftraggebern und Verwertern ist Sabine Koch meist die erste Stimme des BDG. Ganz nebenbei hat Sabine in nordischem Understatement Anfang März ihr Jubiläum beim BDG gefeiert. Dafür sagen wir vom Präsidium im Namen aller Mitglieder herzlichen Dank! Gerne mehr.

Sie erreichen Frau Koch per Email unter info@bdg-designer.de und telefonisch (030 24531490) zu folgenden Zeiten:

Montag, Mittwoch, Donnerstag von 9:00 – 16:00 Uhr
Dienstag von 9:00 – 17:30 Uhr
Freitag von 9:00 – 14:30 Uhr

Für eine Neuausrichtung des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland – Petition von Daniel Hyngar

Die Fragen in Daniel Hyngars offenen Brief an den Rat für Formgebung sind bis heute nicht zufriedenstellend beantwortet worden. Bei seinen Recherchen stieß er auf eine mögliche Ursache für die Misere der deutschen Design-Awards: Es gibt derzeit keine offizielle Würdigung für Designleistungen von staatlicher Seite. Darum hat Daniel Hyngar nun eine Petition zur Neuausrichtung des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland gestartet. Dazu gibt es diesen Kommentar im Bayrischen Rundfunk über den Betrug am Verbraucher durch die Designpreise.

Verdient: Ehrenmitgliedschaft an Wolfgang Baum verliehen

»Er führte den BDG an einer langen Leine. Unter seiner Führung glitt das BDG-Schiff in ruhige Gewässer.« Es ist schon einige Jahre her, dass der inzwischen verstorbene Syndikus des BDG, Friedrich W. Siebeke, mit diesen Worten die Präsidentschaft von Wolfgang Baum würdigte. Der Münchner hatte 1983 das BDG-Steuer übernommen und war mit einer einjährigen Unterbrechung bis 1990 Präsident des Verbandes.

»Er konnte niemandem böse sein und war niemandes Feind«, so schrieb Siebeke weiter in der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des BDG. Dem ist inzwischen noch einiges hinzuzufügen. Wolfgang Baum ist die konstante Größe aus München. Bis in dieses Jahr hinein war er Mitglied des BDG-Präsidiums – immer ansprechbar, immer freundlich, immer verbindlich.

Dabei hat Wolfgang Baum nie unter fehlender Beschäftigung gelitten. Bis Ende dieses Jahres leitete er über Jahrzehnte hinweg die renommierte Akademie U5 in München. Er engagierte sich im Weltverband der Designer ICOGRADA, war Juror in diversen Fachjuries und Leiter der Gutachter-Kommission für Grafik-Design und Foto-Design.

Ehrenmitgliedschaft_Wolfgang_Baum_byAlbertBartel
Zum Dank für sein langjähriges Engagement übergaben Arne Leichert, Christian Büning und Christa Stammnitz den Siebdruck „Der kreative Prozess“ von Christoph Niemann an Wolfgang Baum (links im Bild). Foto von Albert Bartel

Wir danken Wolfgang Baum ganz herzlich für sein Engagement im Dienste der Designer. Im Rahmen der letzten BDG-Hauptversammlung in Weimar haben wir ihm daher die BDG-Ehrenmitgliedschaft verliehen . Wir freuen uns, wenn er dem BDG seine Erfahrung weiterhin zur Verfügung stellt.