Gemeinsam zum Erfolg – Mentoring-Programm des BDG gestartet

BDG Mentoring 2016

Neun Paare hatten sich dank Speeddating und Matching am Ende des Tages gefunden: Jeweils ein Mentor und ein Mentee. Ein Designer mit Erfahrung und einer mit Fragen. Zwei Jahre lang werden sie einander begleiten, Antworten auf die Frage nach Positionierung, Strategie und Profilierung suchen.

Designer gestalten Kommunikation. Sie horchen in Märkte hinein und entwickeln Konzepte, Bild- und Formwelten. Gemeinsam mit dem Auftraggeber bringen sie Marken auf den Weg. Das eigene Business wird selten mit dem gleichen professionellen Blick betrachtet. Die Entwicklung der eigenen Marke bleibt häufig auf der Strecke.

Zum ersten Mal hat daher der BDG ein Mentoring-Programm für Designer gestartet. Es begann in München mit einem zweitägigen Workshop. Unterstützt wird das Projekt von der BMW-Stiftung und maßgeblich vom Kompetenzteam Kultur und Kreativwirtschaft der Landeshauptstadt München. Sein Leiter, Jürgen Enninger, freute sich in seiner Begrüßung insbesondere darüber, dass mit diesem Programm eine Lücke in der Beratung für die Branche geschlossen ist.

Schon der Workshop zeigte, dass Mentor und Mentee gleichermaßen von dem Programm profitieren. »Es ist unglaublich, wie sehr sich die Grenzen zwischen Mentor und Mentee auflösen«, stellte Martin Stockberg begeistert fest. Er ist Mentor und hatte die Idee, das Mentoring-Konzept des Unternehmens Rock your life! an die Bedürfnisse von Designern anzupassen. Beim Workshop zum BDG Mentoring ist diese Idee hervorragend aufgegangen.

»Das Training zum Mentoringprogramm hat meine Erwartungen vollkommen übertroffen«, meinte Mentorin Gabriela Letzing. Mentee Conor Trawinski sagte rückblickend: »Ich bekomme weit mehr, als ich erwartet habe«.

Alle waren gespannt, ob sich für jeden Mentee ein geeigneter Mentor finden wird. Und tatsächlich entstanden neun perfekte Gespanne, die in den nächsten zwei Jahren zusammen wachsen wollen. Für Trainerin Mira Baumgartner war es keine Überraschung, dass die Paarungen glatt aufgehen, aber sie war erstaunt darüber, wie schnell die Teilnehmer in ein vertrauensvolles Gespräch kamen. Diese Aufgeschlossenheit, Neugierde und Dialogfreude, die offenbar alle Designer eint, sei keine Selbstverständlichkeit und eine gute Voraussetzung für ein gelungenes Mentoring.

Die BDG-Präsidentin, Claudia Siebenweiber, freut sich auf die kommenden zwei Jahre als Mentorin. »Ich glaube, es wird manchmal verrückt, manchmal still werden. Nicht alles wird wie geplant funktionieren. Aber auf jeden Fall wird man mit guten Kollegen darüber sprechen und lachen können.«

Fotos von Andreas Schebesta

Haltung, Wissen, Netzwerk weitergeben – das BDG Mentoring für Designer startet.

BDG header-mentoring

Nur wenige Plätze verfügbar! Designer leben von ihrer Haltung und ihren Erfahrungen, die oft mühsam erworben wurden. Um so wichtiger ist es, diesen wertvollen Rohstoff nicht einfach zu sammeln, sondern gezielt weiterzugeben. Junge Kolleginnen und Kollegen können davon in erheblichem Maße profitieren, aber auch die Mentoren selbst können durch den Abgleich mit anderen Sichtweisen enorm gewinnen.

Jeder selbständige Designer fällt Entscheidungen, große und kleine: Wie geht es weiter? Als Soloselbständiger, in einer GbR oder mit der Gründung einer GmbH? Wie sich positionieren? Mit breitem Angebot oder spezialisiert auf Motion Design oder Corporate Design? Es sind Entscheidungen, von denen ihr beruflicher Erfolg abhängen kann. Und ob es eine gute Entscheidung war, weiß man leider immer erst hinterher. Erfahrung und Haltung sind da wertvolle Helfer.
Im November startet der BDG Berufsverband der Deutschen Kommunikationsdesigner daher mit Unterstützung vom Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft der Landeshauptstadt München ein Mentoringprogramm. Zehn erfahrene Designer und Unternehmer stehen als Mentor zwei Jahre lang zehn Mentees beratend und vertraulich zur Seite.
Jeder Mentee muss seit mindestens einem Jahr selbständig als Designer tätig sein. Er kann sich mit allen Fragen zur strategischen Ausrichtung, zur Auftragsakquise und -abwicklung sowie zu einem allgemeinen Erfahrungsaustausch an seinen Mentor richten. Es geht ausdrücklich nicht um Grundlagen der Selbstständigkeit wie etwa Steuerfragen oder die richtige Versicherung. Es geht um Haltung. Vorgesehen sind während des Mentorings monatliche Telefonate sowie ein jährliches Treffen. Die Mentoren sind erfahrene Kollegen mit eigenem Designbüro, unter anderem Nora Bilz, rotbraun Gestaltung Berlin, Claudia Siebenweiber, vonzweidesign München, Martin Stockberg, Stockberg Gestaltung Aachen und Achim Schaffrinna, Designtagebuch Hannover.

Das Mentoringprogramm beginnt am 11. und 12. November mit einer zweitägigen Auftaktveranstaltung in München, in der sich Mentor und Mentee finden können. Matching und Einführung übernimmt eine erfahrene Trainerin der Firma »Rock your life«, die sich auf die Begleitung von Mentoringprojekten spezialisiert haben. Am zweiten Tag sind nur noch die Mentorinnen und Mentoren vor Ort und erhalten eine vertiefte Einführung in die Beratungssituation.

Als Mentees können sich ausschließlich Designerinnen und Designer aus dem Großraum München bewerben. Der BDG hat sieben Plätze zu vergeben, drei Plätze vergibt das Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft der Landeshauptstadt München. Die Plätze des BDG stehen bevorzugt den BDG-Designerinnen und Designern zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich bei Interesse an die Geschäftsstelle unter info@bdg-designer.de und fordern dort die Bewerbungsunterlagen an. Bewerbungen an das Kompetenzteam schicken Sie dann bitte bis 17.10.2016 direkt an kreativ@muenchen.de

Ein Designer ist immer nur so gut wie sein Potenzial, ein Problem zu lösen. Im BDG Mentoring können Potenziale erkannt und gefördert werden – partnerschaftlich und vertraulich. Das ist Haltung, Wissen, Netzwerk mit Zukunft.

Rezension: »Visuell berichten« von Gisela Grosse et al.

Visuell berichten Gisela Grosse BDG

Visuell berichten
Eine Studie zum Potenzial der Gestaltung in Geschäftsberichten
Gisela Grosse, Katharina Ripperda, Alena Voelzkow
erschienen bei SpringerGabler, ISBN 978-3-658-14137-0

Designer bedauern oft, dass es zu wenig belastbare Forschung zur Wirkung von Design gibt. Die wenigsten Designprojekte entstehen unter Laborbedingungen und die A-B-Tests für Landing-pages sind erst ein zaghafter Anfang in diesem Metier. Die Schnittmenge von visueller Kommunikation und ökonomischem Einfluss ist im Bereich der Geschäftsberichte sehr groß. Die Unternehmen, die bilanzieren müssen, haben aus der lästigen Pflicht eine Kür gemacht und statt nackter Zahlenwerke immer aufwendiger produzierte Publikationen entwickelt. Statt nüchterner Tabellen werden jetzt Geschichten erzählt, Themen gesetzt und Unternehmenswerte in Szene gesetzt. Die Verzahnung von Bildschirm und Papier ist auch bei Geschäftsberichten immer wichtiger geworden und führt zu Berichtsformen, die nicht nur informieren wollen, sondern auch unterhalten und binden.

Das Corporate Communications Institute an der FH Münster (CCI) unter der Leitung von Gisela Grosse bewertet die Geschäftsberichte der DAX30-Unternehmen und analysiert nach einem eigens entwickelten Verfahren die Qualität der Berichte. Nun ist es nicht ganz einfach, Qualität im Design zu bewerten, da es keine festen Regeln für »innovativ«, »genial«, »charmant« oder »wow« gibt. Das CCI versteht sich daher als neutraler Sparringpartner zwischen Unternehmen und Designbüro, um die Reflexionsfähigkeiten über Design zu stärken und die Vorteile von Design besser nutzbar zu machen. Im jährlichen Bericht des CCI werden die Stärken und Schwächen der Geschäftsberichte analyisiert und mittels eines Punktesystem Sieger und Verlierer gekürt. Unterhaltsam ist die Live-Präsentation dieses Berichtes, die für alle anwesenden Verantwortlichen der Konzerne entweder sehr ruhmreich oder auch unfreiwillig peinlich werden kann.

Visuell berichten Gisela Grosse BDG

Die Erfahrungen aus dem CCI sind auch in die nun vorliegende Studie »Visuell berichten« geflossen, die Gisela Grosse, Katharina Ripperda und Alena Voelzkow im SpringerGabler-Verlag veröffentlicht haben. Die sonst oft vermissten Laborbedingungen haben sie hier geschaffen und Geschäftsberichte inhaltlich unverändert in zwei Darreichungsformen in zwei Probandengruppen bewerten lassen. Die Konzernkennung wurde dabei unkenntlich gemacht, sodass keinerlei gelerntes Image einwirken konnte. Beide Probandengruppen wurden dann zu verschiedenen Kriterien der Geschäftsberichte befragt. Dabei ging es nicht nur um Lesbarkeit und Bildsprache, sondern auch um Struktur, Anmutung und Stringenz. Natürlich erwartet man in einer Studie, die von Designern in Auftrag gegeben wird, dass gut gestaltete Inhalte besser abschneiden als mäßig gestaltete. Aber dass die Unterschiede derart deutlich zu Tage treten, hätte ich nicht erwartet.

Die Geschäftsberichte im Test, die vom CCI für den Test optimal gestaltet sind, bieten messbar mehr Beschäftigungsdauer, schnelleres Auffinden von Kennzahlen, Unternehmensmission oder -strategien, sie werden auch wesentlich angenehmer bewertet, was deutlich auf die Bewertung der Unternehmen abfärbt. Als Beispiel sei hier das Portraitbild des oder der CEO genannt. Der Wert eines Unternehmens hängt fast ausschließlich an deren Geschick, daher kommt dem Portrait eine besondere Bedeutung zu. Hier haben die Berichte des CCI immer wieder darauf hingewiesen, dass es wenig Nähe erzeugt, über Jahre hinweg ein immer gleiches »Verbrecherfoto« neben das Grußwort zu platzieren. Wie viel Nähe erzeugt dagegen ein situatives Portrait des CEO im Betrieb oder draußen, passend zur Geschichte, die der Bericht erzählen will. Wie wichtig Nahbarkeit für die Bewertung eines Unternehmens ist, kann regelmäßig in der Tagesschau angeschaut werden.

Visuell berichten Gisela Grosse BDG

Diese Studie zeigt angenehm unaufgeregt die Parameter für gute visuelle Kommunikation, an denen sich Gestalter und Unternehmenslenker orientieren können. Der einzige Wermutstropfen ist die verlagseigene Gestaltungssprache und die Ausstattung des Buches. Die feine Ironie, dass ein Buch, das die Vorteile von Gestaltung, Typografie und Weißraum selbst etwas kleinteilig und gedrängt gestaltet ist, kann man nicht ausblenden. Auch die Ausstattung des Buchs hätte etwas mehr Präsenz vertragen können, eine Klappenbroschur hätte dem leicht formbaren Umschlagmaterial den nötigen Halt gegeben. Offenbar sind Wissenschaftler aber hart im Nehmen, wenn es um Studien geht. Die vorliegende Studie liefert für Unternehmen einen tiefen Einblick in die Wirkungsgrade von visueller Kommunikation und für Gestalter eine gute Versprachlichung ihrer Arbeit sowie messbare Ergebnisse. Erst die Kritiker machen ein Restaurant groß, daher wünsche ich mir, dass diese kritische Studie die visuelle Kommunikation groß macht und viele Leser findet.

Christian Büning

Die Studie »Visuell berichten« ist im SpringerGabler-Verlag erschienen, hat 80 Seiten Umfang und ist lieferbar.

»Wir sind doch einfach … wir!«
BDG-Podium über Vergangenheit und Zukunft des Designberufs auf Vimeo

BDG Podium Pfeffer, Meer, Kochan, Weimar

Das Gelächter im Publikum war groß, als Florian Pfeffer erzählte, wie einige Designer mit ihm über die Frage gestritten haben, ob Freelancer als Unternehmer zu bezeichnen sind. »Wir sind doch einfach – – – wir!« hatten sie erwidert, als Florian Pfeffer sie fragte, was sie denn sonst wären. Es ist ein verständnisvolles Lachen, das Publikum kennt die Haltung. Viele Designer lassen sich nicht gerne in Kategorien einordnen, schon gar nicht in eindeutig ökonomische.

»Nicht mehr und doch noch nicht« – das ist die Formel, mit der sich der Stand der Branche ganz treffend charakterisieren lässt. Das zeigen die Diskussionen deutlich beim zweiten BDG-Podium, das unter diesem Motto in Weimar stattfand. Nach einem Vortrag der Designhistorikerin Julia Meer sprach der BDG-Designer Boris Kochan mit dem Gestalter Florian Pfeffer und Julia Meer über das Selbstbild von Designern, die Perspektiven der Profession und daraus resultierende Konsequenzen für die Ausbildung von Designern.

Die historische Folie hatte Julia Meer in ihrem einleitenden Vortrag zur Entwicklung des Berufsbilds geliefert. Sie zeichnete nach, wie sich vor knapp 100 Jahren aus Künstlern Designer entwickelt haben. In vielerlei Hinsicht ist diese Herkunft bis heute prägend für den Zustand der Profession geblieben. So ist beispielsweise das Studium immer noch häufig durch künstlerische Traditionen und Inhalte geprägt. Unternehmerische Aspekte spielen nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Fertigkeiten wie etwa das rhetorische Wissen, wie Designentscheidungen vertreten werden können, oder strategische Fragen bei der beruflichen Positionierung sind allenfalls Randthemen des Studiums.

Eine klare Differenzierung von Design im Unterschied zur Kunst ist längst noch nicht allerorten erfolgt. So berichtete der Gestalter Florian Pfeffer in der anschließenden Podiumsdiskussion von den vielen Ölgemälden, die er als ehemaliger Dozent an der HfG Karlsruhe für die Mappenprüfungen zu sichten hatte. Sie zeigen ein Designverständnis seitens der Bewerber um einen Studienplatz, das noch immer von der Kunst geprägt ist. Und so erwarten die Studentinnen und Studenten weiterhin Studieninhalte, die sich in erster Linie um Buchgestaltung und Plakatentwurf drehen. Die wenigsten werden jedoch zukünftig allein von dieser Vorstellung des Designberufs leben können. Gefragt sind veränderte Vorstellungen von beruflichen Inhalten. Gefragt sind Konzepte, die sich an dem orientieren, was nachgefragt wird.

Der Beruf ist im Umbruch – zum wiederholtem Male. Es wird Zeit, sich endgültig von der künstlerischen Herkunft zu lösen und zu einem eigenständigen Berufsbild zu finden. Dazu gehört der Mut, auch ungewöhnliche Wege zu gehen. Und manchmal findet man dann auch Weggefährten – nicht nur, aber auch im Berufsverband.

Einen Zusammenschnitt der Diskussion finden Sie auf dem Vimeo-Account des BDG unter https://vimeo.com/154698125

Bundesregierung erwägt verpflichtendes Norm-Design

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht mit Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) am 07.11.2012 im Bundeskanzleramt in Berlin vor Beginn der Kabinettssitzung. Auf der Tagesordnung der Ministerrunde steht unter anderem der Gesetzentwurf zur Einführung eines Betreuungsgeldes. Foto: Michael Kappeler/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Berlin. Die Bombe platzt zum Wochenende: Das Kabinett hat bereits auf der Sitzung am Mittwoch lange darüber beraten, für Deutschland ein standardisiertes Design für sämtliche Kommunikationsmedien einzuführen. Ziel dieser Maßnahme sollen enorme Impulse für die Wirtschaft sein. Das sogenannte Norm-Design (ND) soll für die Wirtschaft Einsparungen in Milliardenhöhe erzielen, indem die permanente Entwicklung neuer Anmutungen nicht mehr nötig sein wird. Regierunssprecher Siebert lobte den Vorstoß der Regierung: »Wir haben jetzt lange genug Moden kommen, gehen und wieder kommen sehen. Das ist wirtschaftlicher Unsinn, daher ist das Norm-Design ein großer Schritt nach vorne!«

Das Norm-Design legt zwar eine Standardschriftart, Linksbündigen Satz und eine noch zu definierende Farbpalette fest, lässt den Unternehmen aber auch Freiheiten, zum Beispiel in den Formaten. Bundeswirtschaftsminister Gabriel, SPD, stellt sich ebenfalls hinter das Norm-Design: »Wir beobachten jetzt seit sehr langer Zeit die Designwirtschaft und wir können immer noch nicht erkennen, was die Designer eigentlich genau machen. Wir brauchen aber transparente Dienstleistungen, die jeder nachvollziehen kann, daher wird zukünftig die Bundesregierung das Designgeschäft übernehmen.«

Die Designverbände beraten sich zur Stunde, ob und wie sie Stellung zum Norm-Design beziehen werden und haben sich bereits auf eine gemeinsame Schriftart einigen können.

Bild: DPA