Eine Frage der Haltung. Ein Nachruf auf Reinhart Braun (1926 – 2016).

Prof. Reinhar Braun, Berlin 08. September 1995

„Was (…) Reinhart Braun kennzeichnet, das ist eine unübersehbare Noblesse der Formung, die keinen Ausrutscher der Appelle zuläßt. Und das bei einer Schlagkraft des Ausdrucks, die das Augenmerk anzieht und fesselt!“

So charakterisierte Fritz Seitz seinen Kollegen anlässlich der Ausstellung „Plakate aus Berlin – Braun, Förtsch – von Baumgarten und Spohn“ in der Hochschule der Künste Berlin 1991.

Reinhart Braun war ein begeisterter Gestalter von Plakaten, Buchhüllen und von Büchern. Er brachte Botschaften in Bildern auf den Punkt. In seinen preisgekrönten Plakaten sind Witz, Nachdenklichkeit und Ironie gleichermaßen zu finden. »Der Gestalter ist aufgerufen, sich mit Zielen zu identifizieren bevor er seine Mittel adäquat einsetzen kann«, hatte der langjährige Professor der Hochschule der Künste Berlin einmal gesagt. Plakate gestalten, das ist nicht einfach Werbung in fremder Sache, Plakate gestalten erfordert Haltung. Und so war dem Berliner der Bezug zu gesellschaftlichen Themen ungeheuer wichtig.
Er gestaltete für den Evangelischen Kirchentag, die Berliner Stadtmission, die Staatlichen Museen Berlin, den Sender Freies Berlin und er war seit 1960 Mitglied des BDG. Zuletzt war er Ehrenmitglied des Verbandes.

Reinhart Braun war Berliner durch und durch: 1926 in Berlin geboren, kurz nach dem Krieg studierte er Bildhauerei an der Hochschule für angewandte Kunst in Weißensee und danach studierte er an der Hochschule für bildende Künste Berlin angewandte Grafik. Hier war er Meisterschüler von Prof. Ernst Böhm. Von 1971 bis 1992 lehrte er als Professor für Visuelle Kommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin.

Reinhart Braun starb am 24. Oktober 2016 in seiner Heimatstadt.

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Foto: Gerhard Kassner | Plakate: Reinhart Braun

Mit einer Stimme: Designverbände schließen sich im Deutschen Designtag zusammen

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Die ganze Vielfalt des Designs in einer Stimme zu bündeln – das ist Ziel des komplett neu aufgestellten Dachverbandes. Erstmalig haben sich neun der wichtigsten deutschen Designvertretungen am Wochenende in Berlin in einem gemeinsamen Verband zusammengeschlossen. Der Deutsche Designtag e.V. (DT) ist damit zur Vertretung für die gesamte Bandbreite aller Designsparten geworden.

Die Belange von Designwirtschaft, Designberufsständen und Designkultur kompetent, transparent und glaubwürdig zu vertreten, zu moderieren und zu vermitteln – das ist erklärtes Ziel des Dachverbands. Mit dem Deutschen Designtag, hervorgegangen aus dem Deutschen Designertag und der Initiative Deutscher Designverbände iDD, ist ein großer Schritt für die Deutsche Designlandschaft gelungen – darin waren sich die Vertreter der Mitgliedsverbände einig. Nahezu alle Präsidentinnen und Präsidenten der beteiligten Verbände waren daher auch nach Berlin in das Haus der Kulturverbände gekommen, um die Bedeutung dieser Neuaufstellung zu unterstreichen.

Neu ist nicht nur Name, Anspruch und Menge der Mitglieder, neu sind auch die Führungsspitzen. Einstimmig wurde der Marken- und Designagenturinhaber Boris Kochan zum Präsidenten des Deutschen Designtages gewählt. Mit dem 53-jährigen konnte der Dachverband nicht nur einen erfolgreichen Design- und Kommunikationsexperten und Unternehmer gewinnen, sondern auch einen erfahrenen Präsidenten, unter dem die Typographische Gesellschaft München wieder zu einem mitgliederstarken und weltweit vernetzten Verband heranwuchs sowie einen gewandten Veranstaltungsmacher, der mit der Münchener QVED Europas größte Editorial Design Konferenz initiiert.

»Ich freue mich sehr auf diese neue Aufgabe,« brachte der Münchener zum Ausdruck. »Mein Ziel ist es, die wirtschaftlichen Potenziale und den gesellschaftlichen Nutzen von Design sichtbar zu machen. Deutschland hat im Designdiskurs einiges aufzuholen. Der Deutsche Designtag will diesen Dialog beflügeln.«

Zu einem der vier Vizepräsidenten des Verbandes wurde der BDG-Designer Christian Büning gewählt. Darüber freuen wir uns sehr. Der 37-Jährige ist amtierender Vizepräsident des BDG und hatte bis Ende vergangenen Jahres die Geschicke des BDG als Präsident geleitet.

Sechs weitere Vorstandskolleginnen und -kollegen tragen die Arbeit des Deutschen Designtages. Sie repräsentieren die große Bandbreite des Deutschen Designtages:

Allianz deutscher Designer (AGD) e.V.:
Torsten Meyer-Bogya
Forum für Entwerfen e.V.:
Ralph Habich (Vizepräsident des DT)
Forum Typografie e.V.:
Annette Schulte (Schatzmeisterin)
Illustratoren Organisation e.V. (IO):
Juliane Wenzl
Typographische Gesellschaft München e.V. (tgm):
Boris Kochan (Präsident des DT)
Verband Deutscher Industrie Designer e.V. (VDID):
Susanne Lengyel (Vizepräsidentin des DT)
VDMD Netzwerk deutscher Mode- und Textil-Designer e.V.:
Mara Michel (Vizepräsidentin des DT)

Zur Neuausrichtung des Dachverbandes fanden sich hochrangige Vertreter der Mitgliedsverbände ein:

1. Reihe von links: Mara Michel (Geschäftsführerin VDMD), René Lang (Präsident VDMD), Claudia Siebenweiber (Präsidentin BDG)
2. Reihe von links: Franziska Walther (IO), Juliane Wenzl (IO), Christa Stammnitz (BDG), Annette Schulte (Forum Typografie), Ulrike Borinski (Vorstandsvorsitzende Forum Typografie)
3. Reihe von links: Norbert Egdorf (IO), Constanze Guhr (IO), Jens R. Nielsen (IO), Ralph Habich (1. Vorsitzender Forum für Entwerfen), Birgit Walter (Forum Typografie)
4. Reihe von links: Susanne Lengyel (VDID), Axel Ahrens (IO), Oliver Linke (Vorsitzender tgm), Boris Kochan (tgm), Christian Büning (BDG),
5. Reihe von links: Henning Krause (BDG), Victoria Ringleb (Geschäftsführerin AGD), Stefan Eckstein (Präsident VDID), Sabine Koch (Geschäftsstelle DT), Kai Ehlert (Ehrenmitglied DT), Peter Scholz (Ehrenmitglied DT)

Foto: Ingo Kniest

Ein Blick zu Sabine Koch in die Bundesgeschäftsstelle

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Wann immer Sie den BDG anrufen, sprechen Sie vermutlich zuerst mit unserer Geschäftsstellenleiterin Sabine Koch. Sie kennt die Antworten auf fast alle Fragen und kann die passenden Kontakte vermitteln. Denn seit mittlerweile 10 Jahren leitet sie die Geschäftststelle des BDG und behält bei allen schwierigen Themen den Überblick. Auch bei dringlichen Fragen von BDG Kollegen aus ganz Deutschland, bei eiligen Presseanfragen oder in der Beratung von Auftraggebern und Verwertern ist Sabine Koch meist die erste Stimme des BDG. Ganz nebenbei hat Sabine in nordischem Understatement Anfang März ihr Jubiläum beim BDG gefeiert. Dafür sagen wir vom Präsidium im Namen aller Mitglieder herzlichen Dank! Gerne mehr.

Sie erreichen Frau Koch per Email unter info@bdg-designer.de und telefonisch (030 24531490) zu folgenden Zeiten:

Montag, Mittwoch, Donnerstag von 9:00 – 16:00 Uhr
Dienstag von 9:00 – 17:30 Uhr
Freitag von 9:00 – 14:30 Uhr

Verdient: Ehrenmitgliedschaft an Wolfgang Baum verliehen

»Er führte den BDG an einer langen Leine. Unter seiner Führung glitt das BDG-Schiff in ruhige Gewässer.« Es ist schon einige Jahre her, dass der inzwischen verstorbene Syndikus des BDG, Friedrich W. Siebeke, mit diesen Worten die Präsidentschaft von Wolfgang Baum würdigte. Der Münchner hatte 1983 das BDG-Steuer übernommen und war mit einer einjährigen Unterbrechung bis 1990 Präsident des Verbandes.

»Er konnte niemandem böse sein und war niemandes Feind«, so schrieb Siebeke weiter in der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des BDG. Dem ist inzwischen noch einiges hinzuzufügen. Wolfgang Baum ist die konstante Größe aus München. Bis in dieses Jahr hinein war er Mitglied des BDG-Präsidiums – immer ansprechbar, immer freundlich, immer verbindlich.

Dabei hat Wolfgang Baum nie unter fehlender Beschäftigung gelitten. Bis Ende dieses Jahres leitete er über Jahrzehnte hinweg die renommierte Akademie U5 in München. Er engagierte sich im Weltverband der Designer ICOGRADA, war Juror in diversen Fachjuries und Leiter der Gutachter-Kommission für Grafik-Design und Foto-Design.

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Zum Dank für sein langjähriges Engagement übergaben Arne Leichert, Christian Büning und Christa Stammnitz den Siebdruck „Der kreative Prozess“ von Christoph Niemann an Wolfgang Baum (links im Bild). Foto von Albert Bartel

Wir danken Wolfgang Baum ganz herzlich für sein Engagement im Dienste der Designer. Im Rahmen der letzten BDG-Hauptversammlung in Weimar haben wir ihm daher die BDG-Ehrenmitgliedschaft verliehen . Wir freuen uns, wenn er dem BDG seine Erfahrung weiterhin zur Verfügung stellt.

Stühlerücken in Weimar: BDG-Präsidium wird jünger und weiblicher

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Die meisten Plätze wurden am Wochenende in Weimar natürlich nur symbolisch getauscht. Den Präsidentenstuhl mit der etwas höheren Lehne allerdings, den übernahm Claudia Siebenweiber nach ihrer Wahl tatsächlich ganz real: Am Sonntag, den 8. November hat das Präsidium sie einstimmig zur neuen Präsidentin des BDG gewählt. Die 36-jährige löst Christian Büning ab, der nach vier Jahren an der Spitze des Verbandes einen Schritt zurück getreten ist. Er bleibt dem BDG als Vizepräsident erhalten.

Claudia Siebenweiber ist seit sieben Jahren mit ihrem eigenen Büro als Kommunikationsdesignerin tätig. Sie lebt und arbeitet in München. Seit 2013 ist sie Mitglied des BDG-Präsidiums und hat den Honorar- und Gehaltsreport 2012 und 2014 entworfen und gestaltet. Wir freuen uns sehr mit ihr die erste Frau an der Spitze des nunmehr fast 100 Jahre alten Verbandes zu haben. Und nicht nur das: Das neue Präsidium besteht exakt zur Hälfte aus Frauen, der neue Vorstand sogar zu zwei Dritteln – und das ist einfach so passiert: durchaus gewünscht, aber gänzlich ohne regulatorische Maßnahmen.

Ganz herzlich danken wir Christian Büning für seine überaus engagierte Arbeit als Präsident. Er hat dem BDG nicht nur sein schier unerschöpfliches Reservoir an Ideen für informatorische Hilfsmittel zur Verfügung gestellt. Er hat sie auch gleich in unglaublicher Geschwindigkeit umgesetzt. Er hat Fragen und Themenstellungen aufgeworfen, die den Verband zu einem gern gesehen Gesprächspartner in der Öffentlichkeit gemacht haben. Wir freuen uns sehr, dass er weiter als Vizepräsident die Arbeit des BDG unterstützt.

Ein ebenso großer Dank geht an Arne Leichert für sein Engagement, die Zeit und die Kraft, die er dem BDG als Vizepräsident zur Verfügung gestellt hat. Er hatte nach vier Jahren sein Amt zur Verfügung gestellt, betreut aber weiterhin das Referat Öffentlichkeitsarbeit. Neu im Präsidium begrüßen wir Jakob Maser aus Münster, Autor des Buches »Das Bestiarium«, Janina Lermer, selbstständige Designerin aus München, sowie Oliver Schuh, selbstständiger Gebrauchsgrafiker aus Hamburg. Alle drei stellen sich in Kürze auf unserer Seite vor.

Nicht gewählt, aber ausgezeichnet wurde Wolfgang Baum, der für seine langjährige Unterstützung des Verbandes zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Es ist ein gutes Team, das sich in Weimar zusammen gefunden hat und in den kommenden zwei Jahren die BDG-Geschicke bestimmt. Wir freuen uns, dass sich so viele BDG-Designerinnen und Designern nach Weimar aufgemacht haben. Eine ganze Reihe von ihnen erklärten sich bereit, anstehende Projekte zu unterstützen. Es war ein großer und hoch motivierter Kreis, der über zurückliegende und zukünftige Projekte des BDG diskutierte. Man traf alte und lernte neue Kolleginnen und Kollegen kennen und entdeckte nicht zuletzt ­wieder oder neu auch die Stadt Weimar.

Mit der Veranstaltung »Nicht mehr und doch noch nicht« hat der BDG an diesem Wochenende auch seine Veranstaltungsreihe BDG-Podium fortgesetzt. In dem einleitenden Vortrag ging die Designhistorikerin Dr. Julia Meer der Frage nach, inwiefern der Beruf des Designers überhaupt professionalisierbar ist. Die nachfolgende Diskussion mit dem renommierten Gestalter Florian Pfeffer und dem BDG-Designer Boris Kochan beschäftigte sich dann intensiv mit der Schwierigkeit, sinnvolle Inhalte und Ziele im Designstudium zu etablieren, ein Thema, das letztlich auch das aktuelle Tun von Designern hinterfragt. Eine Aufzeichnung des Vortrags und der anschließenden Diskussion finden sie in Kürze auf dem Vimeo-Account des BDG.

Fotos von Albert Bartel und Jacob Economou