Designausschreibungen erfolgreich durchführen

Sie planen, Designausschreibungen durchzuführen und wollen möglichst gute Ergebnisse erzielen? Mit diesem einfachen Leitfaden können Sie professionelle Designer besser erreichen und bessere Lösungen einkaufen.

Ausschreibungen haben einen schlechten Ruf
Ausschreibungen sind eine Möglichkeit des Designeinkaufs, die in keinem guten Ruf steht. Viele Agenturen und Designbüros weigern sich konsequent, an so genannten »Pitches« teilzunehmen, da hier häufig von den Teilnehmern visuelle Lösungsvorschläge verlangt werden. Das Problem an diesem Vorgehen ist Folgendes: Wenn Designer eine Lösung visualisieren, haben sie den langen Weg der Recherche, Analyse, Konzeption, Entwurf und Auswahl zurück gelegt. Um den letzten Stein – die Visualisierung – zeigen zu können, mussten sie bereits den ganzen Weg gehen. (siehe auch hier.)

Viele Ausschreibungen liefern auch deshalb unbefriedigende Ergebnisse, weil sie eine wesentliche Leistung der Designer nicht in Anspruch nehmen: Die Auswahl des stärksten Entwurfs. Designer fällen wissenschaftlich nachweisbar schnellere und eindeutigere Urteile über die Qualität eines Entwurfs. Sie profitieren von ihrer Seherfahrung und der Reflexion darüber. Wenn in einer Ausschreibung oder einem Wettbewerb auf die professionelle Auswahl des Entwurfs verzichtet wird – weil kein Designer Mitglied des Auswahlgremiums ist – leidet die Qualität des Ergebnisses. Der Einkäufer bekommt viele Entwürfe, aber wenige Lösungen.

Erfolgreiche Ausschreibungen suchen keine Entwürfe, sondern Entwerfer!
Der Weg zu besseren Ergebnissen ist nicht schwer, Sie müssen nur etwas umdenken. Das Ziel Ihrer Ausschreibung sollte nicht sein, möglichst viele Entwürfe zu sammeln, sondern eine gute Lösung zu finden. Suchen Sie also nicht nach möglichst vielen Teilnehmern, sondern nach dem passenden Entwerfer (oder natürlich der passenden Entwerferin)! Dazu müssen Sie diese Entwerfer kennenlernen:


1. Suchen Sie mit Ihren Vorgaben geeignete Anbieter, die für Ihr Ziel in Frage kommen. Achten Sie dabei unbedingt darauf, dass der Designer oder die Agentur zu Ihrem Vorhaben passt. Wählen Sie die Anbieter nach den folgenden Kriterien aus:

  • Positionierung (Bietet er die gesuchte Fachrichtung an? Corporate Design, Werbung, Kampagne, Social Media, Finanzkommunikation, NGO?)
  • Bürostruktur (passt die Größe des Designbüros zu Ihrer?)
  • Branchenkenntnisse (dann müssen Sie nicht alles von Anfang an erklären)
  • Gestaltungssprache (schauen Sie sich bereits realisierte Projekte an)

2. Formulieren Sie das Ziel Ihres Vorhabens so genau wie möglich! Vermeiden Sie unbedingt Allgemeinplätze. Jedes Logo soll natürlich frisch, modern und klassisch sein. Beschreiben Sie daher genau, was Sie brauchen und was Sie vorhaben. Müssen Sie zum Beispiel auf einen Wettbewerber reagieren? Dann ist das für die Zielsetzung relevant. Wollen Sie Marktsegmente neu erreichen oder müssen Sie eine interne Neuordnung kommunizieren? Beschreiben Sie so genau wie möglich, ab wann die geplante Kommunikation ein Erfolg ist.


3. Laden Sie maximal fünf Designer oder Designbüros zu einer kurzen Selbstdarstellung ein. Jeder Anbieter erhält eine halbe Stunde, um sich vorzustellen und mit Ihnen über einen möglichen Lösungsweg zu sprechen. Es werden keine Entwürfe gezeigt, sondern Gedanken getauscht. Jeder Anbieter bringt zudem eine Kostenschätzung nach Ihren Zielvorgaben mit. Als Auftraggeber können Sie für Fairness sorgen, indem Sie die Auslagen der Teilnehmer erstatten.


4. Sie können nun anhand ihrer persönlichen Eindrücke und der Kostenschätzungen eine fachliche und wirtschaftliche Entscheidung treffen. Mit diesem Designer können Sie nun Ihre Zielsetzung besprechen und den Lösungsweg zeichnen. Nutzen Sie die Möglichkeit des Sparrings auf Augenhöhe. Nutzen Sie alle Kenntnisse und Erfahrungen der Designer. So erhalten Sie statt vieler bunter Bildchen eine wirklich passende Lösung.

Wir vertrauen auf gute Lösungen.
Fairer Umgang schafft Vertrauen.


kleines Glossar

Pitch:
Einkaufsform, bei dem Designer um einen Etat gegeneinander antreten. Meist werden Lösungsvorschläge verlangt, dafür winkt ein Jahresetat oder mehr an Umsatz für die Designer. Pitches sind üblich in der Werbung aber eher unüblich im Design. Geladene Pitches mit einer angemessenen Entwurfsvergütung erzielen deutlich bessere Ergebnisse als unvergütete Pitches. Für Agenturen ist die Teilnahme an einem Pitch ein großer Einsatz, daher sollten Sie diesen Einsatz rechtfertigen können.

offene Ausschreibung:
Einkaufsform, bei der Designs zur Lösung eines Problems gesucht werden. Die Teilnehmerzahl ist unbegrenzt, die Auswahl bleibt beim Einkäufer. Offene Ausschreibungen erzielen in der Regel weniger belastbare Ergebnisse, da der Austausch mit den Designern fehlt und somit die Feinjustierung der Designlösung ausbleibt. Das Prinzip des einen Gewinners, der alles bekommt, ist unter Designern als spekulatives Arbeiten verpönt. Offene Ausschreibungen ohne Entwurfsvergütungen locken daher in der Regel kaum Profis an.

geladene Ausschreibung:
Einkaufsform, bei der gezielt Designer angesprochen werden, um Lösungen eines Problems vorzustellen. Der Einkäufer kann hier gezielt auf Positionierung, Spezialisierung und Branchenkenntnis der Designer achten. Für die Präsentation der Designer wird in der Regel eine Kostenerstattung angeboten. Mit dem Finalisten dieser Ausschreibung wird dann ein üblicher Vergütungsvertrag geschlossen.

Designwettbewerb als Marketing:
Marketingtechnik, bei der mit Hilfe eines öffentlichen Wettbewerbs ein Entwurf gesucht wird, um zum Beispiel ein Produkt zu dekorieren. In der Regel ist die Höhe der Vergütung so niedrig oder gar in Form von Sachpreisen, dass bei einem solchen Dekorationswettbewerb nicht mit der Teilnahme von Profis gerechnet wird. Ein solcher Wettbewerb hat hingegen das Risiko, den Unmut der Netzgemeinde auf sich zu ziehen (sogenannter »Shitstorm«), wenn die Teilnahme unfair organisiert ist. Einen fairen Designwettbewerb können Sie einfach anhand dieser vier Kriterien erkennen: BDG Fairward.